Ideen und Konzepte

In den vergangenen acht Jahren sind in Deutschland rund 1.300 Genossenschaften gegründet worden. Mit neuen Genossenschaften werden Herausforderungen der heutigen Zeit gemeinsam angegangen. Die dezentrale Verbreitung erneuerbarer Energien, Qualitätssicherung in der Gesundheitsversorgung, die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit für Selbständige und Freiberufler, aber auch Aufgaben wie selbstbestimmtes Wohnen im Alter, energetische Sanierung von Wohnungsbeständen, kommunale Daseinsvorsorge oder ländliche Nahversorgung werden durch Genossenschaften wahrgenommen. Die Gründung einer Genossenschaft wird von den Genossenschaftsverbänden unterstützt.

Bioenergiedorf

Erneuerbare Energien

Privatpersonen und Unternehmen betreiben gemeinsam dezentrale Kraftwerke, mit denen aus  erneuerbaren Energieressourcen Strom und Wärme erzeugt werden. Investitionsrisiko und Betreiber-Know-how werden über die Genossenschaft gebündelt. In genossenschaftlich organisierten Bioenergiedörfern wird der Wärme- und Strombedarf einer Kommune vollständig durch nachwachsende Rohstoffe gedeckt. Die eingetragene Genossenschaft ermöglicht die aktive Beteiligung und unkomplizierte Organisation einer großen Mitgliederzahl. Durch die umfangreichen Beteiligungs- und Mitbestimmungsmöglichkeiten wird die individuelle Verantwortung für das gemeinsame Energieprojekt gefördert.

Selbststaendige und mittelstaendische Unternehmen

Selbstständige und mittelständische Unternehmen

IT-Dienstleister, Ingenieure oder Kreative aus der Werbebranche kooperieren in Genossenschaften, um gemeinsam günstige Einkaufskonditionen zu erreichen und Kosten zu teilen. Mit Genossenschaften wird auch ein Know-how-Transfer ermöglicht oder aber der gemeinsame Marktantritt organisiert. Für Mittelständler ist die Genossenschaft vor allem deshalb zu empfehlen, weil sie Größenvorteile nutzen können, ohne ihre Selbständigkeit und flexiblen Möglichkeiten aufgeben zu müssen. Sie können auch als Einzelpersonen im Wettbewerb mit größeren Konkurrenten bestehen.

Arzt

Gesundheitswesen

Mediziner, Apotheker oder Krankenhäuser schließen sich in Genossenschaften zusammen, um gemeinsam Produkte und Dienstleistungen einzukaufen. Durch Kooperation wird eine bessere Verhandlungsposition gegenüber Industrie und Großhandel erreicht. Ärzte kooperieren im Rahmen der Integrierten Versorgung und bieten gemeinsam mit Berufskollegen aus verschiedenen Fachrichtungen Gesundheitsleistungen an. Durch die Beteiligung in der Genossenschaft können die Vorteile der Zusammenarbeit genutzt werden, zugleich bleibt aber auch der freiberufliche Status Vertragsärzte bewahrt.

Handwerk

Handwerk

Fachbetriebe des Bauhandwerks, KFZ-Werkstätten oder Zahntechnikerlabore arbeiten in Genossenschaften zusammen, um gemeinsam einzukaufen oder ihre Dienstleistungen anzubieten. Durch Kooperation werden auch kleine spezialisierte Unternehmen in die Lage versetzt, mit anderen Spezialisten Komplettaufträge gewerkeübergreifend anbieten zu können. Bei der gemeinsamen Auftragsbearbeitung wird verbindlich kooperiert, so dass der Auftraggeber stets einen einheitlichen Ansprechpartner hat. Mit Genossenschaften werden auch Markengemeinschaften gebildet oder administrative Aufgaben auf ein gemeinsames Unternehmen ausgelagert.

Dorfladen

Dorfläden

In vielen ländlichen Regionen ist eine wohnortnahe Versorgung mit Lebensmitteln und Waren des täglichen Bedarfs nicht mehr gegeben. Bürger einer Kommune organisieren sich deshalb in Genossenschaften, um gemeinsam einen Dorfladen zu betreiben. In dem Einkaufsladen wird zumeist ein Vollsortiment angeboten und ein Schwerpunkt auf regionale Produkte gelegt. Viele Kunden sind Mitglied der Genossenschaft. Durch die demokratische Beteiligung identifizieren sie sich mit ihrem Laden, das stärkt die Kundenbindung. Mit dem Dorfladen wird zudem wieder ein kommunikativer Treffpunkt für die Einwohner geschaffen.

Naturerlebnisbad

Städte und Gemeinden

Für Städte und Gemeinden bietet die Kooperation in Genossenschaften viele Möglichkeiten. So können Versorgungsunternehmen oder kulturelle und soziale Einrichtungen trotz der angespannten Haushaltslage vieler Kommunen erhalten werden. Durch ein breites Bündnis von Bürgern, Wirtschaft und Kommune werden beispielsweise Hallenbäder vor der Schließung bewahrt. Mit der Genossenschaft wird ein tragfähiges Nutzungskonzept umgesetzt, dass das Engagement der Bürger und Unternehmen sowie die finanzielle Unterstützung durch die Gemeinde ideal verbindet. Von dem Ergebnis profitiert die Kommune in zweifacher Hinsicht: Sie reduziert ihre Kosten und fördert weiterhin den lokalen Standort.

Stadtmarkt

Stadtmarketing

Unternehmen, Privatpersonen und öffentliche Einrichtungen kooperieren, um gemeinsam für die Angebote der Stadt zu werben. Im Rahmen des Stadtmarketing werden Feste und Märkte organisiert oder Existenzgründertage durchgeführt. Über die Produkte und Dienstleistungen der Region wird mit einer gemeinsamen Internetseite informiert. Die Gewerbetreibenden können sich zudem regelmäßig auf einer Messe präsentieren, die von der Genossenschaft organisiert wird.
 
Damit werden nicht nur die Mitgliedsbetriebe unterstützt, sondern auch das persönliche Netzwerk von Unternehmern, Bürgern und den kommunalen Entscheidungsträgern gestärkt. Insgesamt wird mit diesen Maßnahmen der regionale Wirtschafts- und Tourismusstandort gefördert.

Dorfgasthäuser

In ländlichen Regionen schließen immer mehr Dorfgasthäuser. Damit gehen für die Bürger vor Ort die Möglichkeiten für kulturelle Veranstaltungen, Vereinssitzungen, Familienfeiern oder gesellige Abende verloren. Das schadet der Dorfgemeinschaft, der Lebensqualität der Dorfbewohner und  nicht zuletzt auch der touristischen Attraktivität der Region.

In vielen Orten Deutschlands sind engagierte Bürger daher in den letzten Jahren selbst aktiv geworden, um ihr heimisches Dorfgasthaus zu erhalten oder wieder zu eröffnen. Die Gründung einer Genossenschaft ermöglicht es, alle Mitstreiter ins Boot zu holen. Das stärkt zudem die Dorfgemeinschaft und die Identifikation der Einwohner mit ihrem "eigenen" Gasthaus.