Wir sind „Ein Gewinn für Deutschland“

Die mehr als 7.500 Genossenschaften und genossenschaftlichen Unternehmen in Deutschland sind ein wichtiger Bestandteil der mittelständischen Wirtschaft. Sie wirtschaften mit langfristiger Perspektive, fördern ihre Mitglieder und sind in der Region verankert. Stabilität und Verantwortung zeichnen Genossenschaften aus.

Aus all diesen Gründen ist jede einzelne Genossenschaft „Ein Gewinn für Deutschland“. An dieser Stelle haben die Genossenschaften die Gelegenheit, der Öffentlichkeit zu präsentieren, was sie auszeichnet und sie zu einem ganz besonderen „Gewinn für Deutschland“ macht. 

Ackerland für ökologischen Anbau

Die BioBoden eG sichert landwirtschaftliche Flächen für die Ökolandwirtschaft.

„Wir wollen landwirtschaftliche Flächen dauerhaft der Bodenspekulation entziehen“, sagt Dr. Hermann Falk, Vorstand der GLS Treuhand. Der Verein ist ein wesentlicher Mitinitiator und Förderer der Genossenschaft BioBoden eG, die im Jahr 2015 gegründet wurde. BioBoden erwirbt Ackerböden und Weideflächen und verpachtet diese zu fairen Konditionen an landwirtschaftliche Betriebe, die ökologisch produzieren.

 

Landwirte und Konsumenten als Mitglied

Der BioBoden geht es nicht nur um die Bio-Landwirtschaft an sich, sondern auch um eine neue Beziehungsqualität zwischen Erzeugern und Verbrauchern. „Wir wollen nicht als neuer Landinvestor auftreten, sondern eine sozial nachhaltige Landwirtschaft ins Werk setzen, also die Beziehungen der Landwirte zu ihren Kunden stärken“, sagt Falk.

Dementsprechend können sowohl Kunden als auch landwirtschaftliche Betriebe, die die Leistungen der Genossenschaft in Anspruch nehmen, Mitglied werden. Rund 4.500 Miteigentümer hat die Genossenschaft heute. Ein Anteil kostet 1.000 Euro. Die Gemeinschaft empfiehlt ein symbolisches Geschäftsguthaben von 3.000 Euro, was dem Preis für eine Anbaufläche von 2 Hektar entspricht. Diese Fläche steht rein rechnerisch zur Versorgung jedes Menschen mit landwirtschaftlichen Produkten zur Verfügung.

Für Landbesitzer gibt es auch die Option, den Boden gegen Anteile einzutauschen. Das ist beispielsweise im Erbfall interessant, wenn man das Land weder sinnvoll selbst bewirtschaften noch verkaufen kann. Zudem ist es als Mitglied möglich, an den Entscheidungen über die Bodennutzung mitzubestimmen.

 

Höfesterben verhindern

Die Genossenschaft leistet aber auch einen Beitrag gegen das anhaltende Höfesterben in Deutschland. Diesen langfristigen Trend bestätigt auch die DZ Bank in ihrer Branchenanalyse über die Zukunft der Landwirtschaft in Deutschland. Die Autoren gehen davon aus, dass von den derzeit rund 267.000 Höfen in zwanzig Jahren nur noch 100.000 Betriebe übrigbleiben. Begleitet wird diese Entwicklung hin zu größeren konventionellen Betriebseinheiten. Die Ursachen sind vielfältig.

Oftmals rechnet sich der eigene Hof nicht mehr, weil mit den geringen Erlösen im Lebensmittelhandel die Kosten nicht gedeckt werden können. Für Investitionen in effizienzsteigernde Maßnahmen fehlt das Kapital oder die Betriebsgröße. Wie in anderen Bereichen der Wirtschaft gibt es aber auch ein Nachfolgeproblem. Im familiären Umfeld finden sich immer weniger Personen, die den Betrieb weiterführen möchten.

Im Jahr 2019 hat die Genossenschaft zehn Partnerhöfe hinzugewonnen. 70 sind es insgesamt. Eine Fläche von rund 3.800 Hektar Land wurde gesichert. Ein besonderes Nachfolgeprojekt wurde Anfang des Jahres 2020 in Partnerschaft mit dem Ökodorf Brodowin in Brandenburg gestartet. Gemeinsam wird die Agrargenossenschaft Oderberg – ein bislang konventionell geführter Betrieb mit einer Agrarfläche von 860 Hektar – weitergeführt. Positiver Nebeneffekt: Mit der biodynamischen Umstellung und Weiterführung behalten auch die Angestellten der Oderberg ihre Arbeitsplätze.

 

Nachfolge sichern

Für viele Landwirte stellt sich die Frage, wie das eigene Lebenswerk zukünftig gesichert werden kann. Auch für solche Nachfolgesituationen bietet die BioBoden mit ihrer Schwesterorganisation – der BioHöfe-Stiftung – eine Alternative, indem diese Höfe erworben und an interessierte Landwirte verpachtet werden.

Damit adressiert die Genossenschaft eine weitere Ursache des Höfesterbens: Der fehlende Nachwuchs an landwirtschaftlichen Unternehmern und deren schwierige Startbedingungen. Gerade junge Landwirte, die unter ökologischen Kriterien wirtschaften möchten, haben meistens nicht die finanziellen Mittel für einen eigenen Hof oder die Umstellung auf die Bio-Bewirtschaftung. „Für Junglandwirte oder Quereinsteiger ist ein eigenständiger Start heute sehr schwierig“, sagt Falk.

Mit dem Modell der BioBodengenossenschaft wird zudem noch einem anderen Trend in der Landwirtschaft gefolgt: „Junge Landwirte möchten heute vielleicht 20 oder 30 Jahre in ihrem Beruf arbeiten, sich dafür aber nicht ihr ganzes Leben verschulden müssen. Eigentum ist nicht mehr so wichtig“, so Falk. Die BioBoden ermöglicht somit nicht nur den Einstieg, sondern bietet mit dem generationenübergreifenden Ansatz zugleich auch eine Ausstiegsperspektive für die Zukunft.

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