„Ein Gewinn für die Welt“

Das deutsche Genossenschaftsmodell ist Vorbild für viele Länder auf der ganzen Welt. Schon vor über 100 Jahren hat beispielsweise das damals aufstrebende Japan die Genossenschaftsidee und das Genossenschaftsgesetz aus Deutschland erfolgreich adaptiert. Viele andere Länder sind diesem Beispiel gefolgt und haben an die eigenen Verhältnisse angepasste Rechtsgrundlagen geschaffen. Bis heute fördert unsere Organisation weltweit genossenschaftliche Selbsthilfeprojekte. Im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit der Bundesregierung fördert die genossenschaftliche Gruppe mit ihren Entwicklungsprojekten den Aufbau von Genossenschaften und genossenschaftlichen Strukturen und unterstützt damit zum Beispiel in Lateinamerika, Südafrika oder Asien die globale Bekämpfung der Armut und die Sicherung des Friedens. Ausgewählte Projekte werden hier vorgestellt. Weitere Projekte finden Sie in der Broschüre "Kooperation als Chance".

Bosnien-Herzegowina - Wenn Genossenschaften Käse machen

Friedlich grasen schwarzbunte und braune Kühe auf Gebirgswiesen, eine leichte Brise trägt den Duft der blühenden Wiesen und Kräuter durch die Bergdörfer. Wie bunte Tupfer in der Landschaft leuchten die rotbraunen Ziegeldächer kleiner Gehöfte im Sonnenlicht.

Wenn Genossenschaften Kaese machen

Es ist ein reizvolles Bild, doch der Schein trügt. Bei näherem Hinsehen erkennt man die Zeichen der Armut, in der die Menschen in den abgelegenen Gebieten leben. Die Dörfer und Höfe sind oft nur über staubige Schotterstraßen zu erreichen, die sich in engen Serpentinen durch die Berge winden. Im Winter sind die Dörfer oft tagelang wegen der Schneemassen von der Außenwelt abgeschlossen. Die Menschen hier leiden noch immer unter den Folgen des Zusammenbruches des jugoslawischen Staates, des Bürgerkriegs und der wirtschaftlichen Probleme, die er gebracht hat.

Mit dem Aufbau kleiner genossenschaftlicher Käsereien fördert die deutsche Genossenschaftsorganisation  seit einigen Jahren die Entwicklung in diesen strukturschwachen Regionen in Bosnien-Herzegowina und Montenegro. Diese „Pilotgenossenschaften“ sollen zeigen, wie die Menschen im ländlichen Raum ihre Lebensverhältnisse mit genossenschaftlich organisierten Kleinunternehmen verbessern können.

Endlich ein sicheres Einkommen

In Bosnien-Herzegowina nutzen inzwischen schon rund 750 kleinbäuerliche Betriebe – vorwiegend aus armen Gebirgsregionen – die Möglichkeit, die Milch, die sie auf ihren meist sehr kleinen Hofstellen erzeugt haben, in gemeinsamen, kleinen Hofkäsereien zu verarbeiten. Viele Milchbauern – sehr oft Frauen – könnten ihre Milch sonst kaum vermarkten. Nun erhalten sie pünktlich das Geld für ihre Milch. Rund 3.000 Menschen verfügen damit erstmals über ein dauerhaft sicheres Einkommen in ihren Familien.Das Potenzial ist groß: Viele Kleinst- und Kleinbetriebe erzeugen Milch, nicht nur von Kühen, sondern auch von Schafen und Ziegen. Die Genossenschaften bieten ihnen nun die reelle Chance, die Milchproduktion und damit ihr Einkommen zu steigern. Doch es ist ein langer Weg, die Menschen davon zu überzeugen, dass Genossenschaften Selbsthilfeunternehmen von ihnen und für sie sind. Denn im früheren Jugoslawien waren Genossenschaften Instrumente der staatlichen Planwirtschaft, und die Bauern sind misstrauisch.

Leckeres Käsesortiment

Die schmackhaften, heimischen Käsesorten – Hart-, Weich- und Schnittkäse – erobern unter den verschiedenen Markennamen der Genossenschaften mehr und mehr die Gunst der Verbraucher. Um ihre Marktposition zu stärken, haben die bosnischen Käsereigenossenschaften eine zentrale Handelsgenossenschaft gegründet, die bei der Vermarktung unterstützt. Sie hat sich einen exzellenten Ruf als verlässlicher Lieferant eines attraktiven Sortiments an Qualitätskäse erarbeitet und beliefert neben dem Handel auch Großverbraucher wie Krankenhäuser.Schon jetzt ist das Ergebnis der Genossenschaftsarbeit positiv: Produktion, Qualität und Märkte wurden gesichert, und in die Kassen der Genossenschaften und ihrer Mitglieder fließt mehr Geld.