Bundesgeschäftsstelle Energiegenossenschaften

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Die 850 beim Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverband e. V. organisierten Energiegenossenschaften leisten einen wichtigen Beitrag, die Akzeptanz und die Motivation für die Energiewende in breiten Teilen der Gesellschaft zu steigern. Über 180.000 Menschen engagieren sich in genossenschaftlichen Erneuerbare-Energien-Projekten, von der Energieproduktion und -versorgung, über den (Wärme-)Netzbetrieb bis hin zur Vermarktung.

Die Bundesgeschäftsstelle Energiegenossenschaften ist in Berlin zentraler Ansprechpartner für die Bundespolitik, aber auch für Behörden, Verbände und die Öffentlichkeit. Hauptaufgabe der Bundesgeschäftsstelle ist es, den Energiegenossenschaften eine Stimme in der bundespolitischen Debatte um die Energiewende zu geben.
 

Sie erreichen die Bundesgeschäftsstelle unter energie(at)dgrv.de.

Bundesentwicklungsminister Müller: Grüne Bürgerenergie für Afrika

Berlin, 27. Juni 2017

Fast 60 Prozent der rund 1,1 Mrd. Afrikaner leben aktuell ohne Zugang zu Strom. Und der Bedarf wächst rasant weiter. Bis zum Jahr 2040 wird die Energienachfrage Afrikas um rund 80 Prozent steigen. Diese Nachfrage soll vor allem aus Ressourcen wie Sonne, Wind und Biomasse gedeckt werden. Der afrikanische Kontinent bietet große Potenziale im Bereich der erneuerbaren Energien.

Über diese Potenziale und Herausforderungen diskutierten rund 300 internationale Gäste am 27. Juni 2017 im Haus der DZ BANK im Herzen Berlins. Der DGRV hatte in Kooperation mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) zum Kongress „Neue Energie für Afrika. Genossenschaftlich – dezentral – erneuerbar“ geladen. Neben zahlreichen Praktikern aus der Erneuerbare Energien-Branche – darunter viele Energiegenossenschaften – und Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit sowie Vertretern von Forschungseinrichtungen, Ministerien und Medien, waren auch einige Bundestagsabgeordnete und die Botschafter(innen) aus 13 afrikanischen Republiken der Einladung an den Pariser Platz gefolgt.

Minister Müller stellt Energieinitiative des BMZ vor
Eröffnet wurde der Kongress vom Vorstandsvorsitzenden des DGRV, Dr. Eckhard Ott. Er betonte  in seinem Grußwort, dass die rund 850 in den vergangenen zehn Jahren in Deutschland gegründeten Energiegenossenschaften eine breite Beteiligung der Bevölkerung an der Energiewende ermöglichen. „Darüber hinaus fördern sie die regionale Wirtschaft und stärken die Akzeptanz für erneuerbare Energien. Diese Vorteile sollten auch in Afrika genutzt werden. Der DGRV steht mit seiner langjährigen Erfahrung in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit als Partner bereit, um die Initiierung von Bürgerenergie-Projekten auf dem afrikanischen Kontinent zu unterstützen“, so Ott.

Im Anschluss stellte Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller die Eckpunkte seiner Initiative „Grüne Bürgerenergie für Afrika“ vor. Er konkretisierte damit die bereits zu Jahresanfang im Rahmen seines Marshall-Plans für Afrika ausgerufenen Reformideen für die Energieversorgung des afrikanischen Kontinents. „Ohne Energie keine Entwicklung, ohne Entwicklung keine Jobs. Im Schulterschluss mit Genossenschaften, Kommunen und der Privatwirtschaft bringen wir Lösungen für eine grüne Energieversorgung in die ländlichen Regionen Afrikas“, erklärte der Minister. „So leisten wir einen Beitrag zu einer klimafreundlichen wirtschaftlichen Entwicklung und schaffen nachhaltige Zukunftsperspektiven für die Menschen vor Ort. Afrika kann der erste Kontinent sein, der sich vollständig aus erneuerbaren Energien versorgt.“

Bei der Umsetzung dieser Pläne sollen Genossenschaften, Kommunen und die Privatwirtschaft eine zentrale Rolle spielen. Im Rahmen der Initiative sollen Bürgerenergiepartnerschaften gegründet werden, bei denen deutsche Bürger, Genossenschaften und Kommunen ihr Wissen mit afrikanischen Partnern teilen können. Darüber hinaus will das Ministerium in den nächsten fünf Jahren in acht ausgewählten afrikanischen Staaten den Aufbau eines rechtlichen und administrativen Rahmens für Bürgerenergie-Genossenschaften unterstützen. Eine Ausbildungsinitiative für Energiefachkräfte ist ebenfalls geplant.

Eine Vertreterin der Länder, die im Fokus der BMZ-Initiative stehen, kam im Anschluss selbst zu Wort. Irene Muloni, Ministerin für Energie und Rohstoffe der ostafrikanischen Republik Uganda, stellte ihre Pläne für eine grüne und dezentrale Energiezukunft ihres Landes vor. Obgleich in den letzten Jahren schon viele Energieprojekte auf den Weg gebracht wurden, sind in Uganda noch immer rund 80% der Menschen ohne Energiezugang. Die Ministerin betonte daher ihr großes Interesse an einem Austausch mit den deutschen Energiegenossenschaften und drückte ihre Hoffnung aus, dass diese dabei helfen können, alle Menschen in Uganda in den nächsten Jahren mit Energie zu versorgen. „Let`s turn the dark continent into a green continent!“, rief die Ministerin den Kongressgästen zu. 

Wie dieser Aufruf Realität werden könnte, konkretisierten anschließend Dr. Christoph Beier, Mitglied des Vorstands der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und Peter Pichler, Berater im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit im Projekt GaiaAfrica. Letzterer schilderte seine Erfahrungen aus Mosambik und betonte das große Potenzial aber auch die Herausforderungen für Bürgerenergiegenossenschaften in dieser Region.

Praktiker aus Bürgerenergie und Kommunen im Gespräch

Das Vormittagsprogramm endete dann mit einer spannenden Gesprächsrunde. Unter der Überschrift „Genossenschaften und Kommunen – Partner für Afrika“ diskutierten Josef Göppel, Bundestagsabgeordneter der CSU, Katharina Habersbrunner, Vorstand der Bürgerenergiegenossenschaft BENG eG, Manuel de Araújo, Bürgermeister der Stadt Quelimane in Mosambik, Günter Mögele, Bürgermeister der mit zahlreichen nationalen und internationalen Energiepreisen ausgezeichneten schwäbischen Gemeinde Wilpoldsried  und Serge Etoundi, Solarunternehmer aus Kamerun.

Am Nachmittag konnten die Kongressteilnehmer ihre Ideen für einen Energiedialog mit Afrika dann in drei parallelen Foren weiter vertiefen. Im Fokus standen dabei die Fragen „Welchen konkreten Beitrag können Energiegenossenschaften für dezentrale Energieprojekte in Afrika leisten?“, „Welche Rahmenbedingungen müssen gegeben sein, damit die Kooperation von Kommunen, Genossenschaften und kommunalen Unternehmen erfolgreich ist?“ und „Was sind die größten Potenziale und Probleme einer dezentralen Energieversorgung in Entwicklungsländern?“.

Zum Ende des Kongresses waren sich alle Teilnehmer einig: Der enorme Energiebedarf stellt Afrika vor große Herausforderungen, bietet aber auch große Chancen, in grüne Energie zu investieren. Gute gesetzliche Rahmenbedingungen, eine bezahlbare Technik sowie das Know-how und die Eigeninitiative der Menschen vor Ort bestimmen dabei den Erfolg. Einen wichtigen Impuls hierfür können Partnerschaften mit deutschen Energiegenossenschaften leisten.