Wir sind „Ein Gewinn für Deutschland“

Die mehr als 7.500 Genossenschaften und genossenschaftlichen Unternehmen in Deutschland sind ein wichtiger Bestandteil der mittelständischen Wirtschaft. Sie wirtschaften mit langfristiger Perspektive, fördern ihre Mitglieder und sind in der Region verankert. Stabilität und Verantwortung zeichnen Genossenschaften aus.

Aus all diesen Gründen ist jede einzelne Genossenschaft „Ein Gewinn für Deutschland“. An dieser Stelle haben die Genossenschaften die Gelegenheit, der Öffentlichkeit zu präsentieren, was sie auszeichnet und sie zu einem ganz besonderen „Gewinn für Deutschland“ macht. 

Drop-Out Cinema eG, Mannheim

Der Weg vom Festival in den Kinosaal kann steinig sein. Selbst für ausgezeichnete Filme. „Kulturell wertvoll“ passt eben nicht immer ins Konzept der Kinobetreiber. Ein genossenschaftlicher Filmverleih fördert die kulturelle Vielfalt im Kino.

„Das Kinoprogramm in Deutschland spiegelt nur einen sehr geringen Teil der weltweiten Filmkultur wider. Mit unserem Filmverleih soll sich das ändern“, sagt Jörg van Bebber, Mitinitiator und Vorstand der Drop-Out Cinema eG. Die Genossenschaft mit Sitz in Mannheim möchte die kulturellen Interessen im Kinobetrieb stärker betonen als dies gewinnorientierte Verleiher tun. Cineastische Kriterien stehen bei der Genossenschaft an erster Stelle.

Kommerzielle Filmverleiher sind an bundesweiten Kinostarts von massentauglichen Produktionen interessiert. Vor allem die Multiplex-Kinos mit tausenden von Besucherplätzen bestimmen, was gespielt wird. Doch auch Programmkinos meiden das Risiko geringer Zuschauerzahlen. Alternative Filmproduktionen finden deshalb kaum den Weg in die Kinosäle.



Regeln des Markts mitgestalten
„Viele Filme sind fürs Kino gemacht. Die Regeln des Markts sprechen leider viel zu oft dagegen. Schließlich fließt dann auch zu viel öffentliche Förderung in Filmproduktionen, die nicht im Kino zu sehen sind“, kritisiert van Bebber das Filmgeschäft. Das Schicksal vieler Produktionen: Sie landen vom Filmfestival direkt auf DVD oder werden von Anfang an Direct-to-Video vermarktet. Ziel des genossenschaftlichen Verleihs: Filme abseits des Mainstream sollen insbesondere für Kommunalkinos oder Kinoclubs zugänglich gemacht werden. „Unser Non-Profit-Ansatz erlaubt auch programmatische Experimente“, so van Bebber.

Das Problem für kleine alternative Kinos: Für die Vorführrechte fordert ein Filmverleih üblicherweise eine Mindestgarantie. Der Kinobetreiber muss also einen vorab vereinbarten Betrag zahlen. Damit übernimmt er allein das wirtschaftliche Risiko geringer Zuschauerzahlen. „Wenn nur 20 Besucher kommen, reicht das Einspielergebnis nicht aus. Auch ein öffentlich gefördertes Kommunalkino kann nicht dauerhaft im Minus arbeiten“, so van Bebber.

An diesem Problem setzt Drop-Out Cinema an. Mit dem Produzenten oder Filmlabel wird ein Preis für die Vorführrechte ausgehandelt. Diese werden dann an den Kinobetreiber weitergereicht, der vom Einspielergebnis einen prozentualen Anteil an die Genossenschaft abführt. Im Ergebnis ist das eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten. Die Filmlabels oder Produzenten kommen mit ihren Werken in die Kinosäle, bevor sie auf Blu-ray vermarktet werden. Ein offizieller Kinostart bietet zudem viel bessere Möglichkeiten für Werbung. Und die Kinos können exklusiv Premieren zu günstigen Konditionen veranstalten.

Programmatisch konzentriert sich Drop-Out Cinema auf die Bereiche „Fantastischer Film“, „Dokumentation“ und „Arthouse“. Vermarktet werden Independent-Produktionen, die durch das Raster fallen und keinen deutschen Verleih finden. Im Geschäftsbereich „Repertoire“ oder „Wiederaufführung“ wird ein Rechtestock von Filmen angelegt, mit denen in den Spielstätten Klassikerabende veranstaltet werden können.

Mitglieder der Genossenschaft sind Programmkinos, Kommunalkinos, Kinoclubs und andere nicht-gewinnorientierte Spielstätten. Aber auch Filmlabels, Archive und Privatpersonen fördern den alternativen Verleihbetrieb. „Historisch gesehen stellen wir das Kinogeschäft auf den Kopf. Ursprünglich betrieben die Produktionsfirmen in Hollywood eigene Kinos. Jetzt gestalten Kulturkinos ihren eigenen Verleih“, so van Bebber. Gegründet wurde die Genossenschaft im Februar 2013, mittlerweile zählt sie 35 Eigentümer.

Demokratische Struktur im digitalen Zeitalter
Die Genossenschaft wurde gewählt, weil die demokratische Struktur eine breite kulturelle Ausrichtung des Verleihs fördert: „Die Genossenschaft unterstützt die kulturellen Interessen ihrer Mitglieder und muss nicht der Gewinnmaximierung folgen. Deshalb passt das Rechtskleid so gut zu unserer Non-Profit-Philosophie im Kulturkino“, erläutert van Bebber. Der Genossenschaftsgründer war selbst viele Jahre ehrenamtlich in einem alternativen Kino im hessischen Marburg aktiv.

Das digitale Zeitalter im Filmgeschäft kommt dem jungen Verleih entgegen. Mit der neuen Technik können im Zusammenspiel von Produktion, Verleihgeschäft und Kino viele Kosten eingespart werden, die gerade auch alternatives Kinoprogramm erleichtert. Statt Filmrollen werden kostengünstig digitale Formate angelegt, die auf Festplatten an die Spielstätten versendet werden. Zukünftig werden Filme im Kinoformat DCP („Digital Cinema Package“) per Datenleitung übertragen. Das ist insbesondere für den Bereich „Repertoire“ interessant. Aber auch Video-on-Demand bietet für Filmemacher, Verleih und kleine Kinos viele Möglichkeiten.

In der Zukunft sollen noch mehr Mitglieder geworben werden. Für den nachhaltigen Betrieb des Filmverleihs sind mehr finanzielle und personelle Ressourcen erforderlich. Und eine größere Mitgliederzahl bringt weitere Vorteile: „Viele Kinobetreiber haben Kontakte zu Filmemachern und Produzenten, die für den Aufbau des Kinorechtelizenzstocks oder Verleihkatalogs genutzt werden können. Über unseren Social-Media-Auftritt erreichen uns regelmäßig Mitgliedsanfragen“, so van Bebber. Die Genossenschaft unterstützt zudem die Gründung von Filmclubs und Kinos, was langfristig zu neuen Mitgliedern führen wird. Hierfür sollen professionelle Leitfäden erstellt werden.

Drop-Out Cinema wird in der Szene mittlerweile wahrgenommen. In den vergangenen zwei Jahren wurden bereits 20 Kinostarts begleitet. Etwa 120 Filme sind im Repertoire des Verleihs gelistet. Und die nächsten Premieren stehen an. Denn im alternativen Kinogeschäft ist schließlich noch viel Platz.
 

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