„Ein Gewinn für die Welt“

Das deutsche Genossenschaftsmodell ist Vorbild für viele Länder auf der ganzen Welt. Schon vor über 100 Jahren hat beispielsweise das damals aufstrebende Japan die Genossenschaftsidee und das Genossenschaftsgesetz aus Deutschland erfolgreich adaptiert. Viele andere Länder sind diesem Beispiel gefolgt und haben an die eigenen Verhältnisse angepasste Rechtsgrundlagen geschaffen. Bis heute fördert unsere Organisation weltweit genossenschaftliche Selbsthilfeprojekte. Im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit der Bundesregierung fördert die genossenschaftliche Gruppe mit ihren Entwicklungsprojekten den Aufbau von Genossenschaften und genossenschaftlichen Strukturen und unterstützt damit zum Beispiel in Lateinamerika, Südafrika oder Asien die globale Bekämpfung der Armut und die Sicherung des Friedens. Ausgewählte Projekte werden hier vorgestellt. Weitere Projekte finden Sie in der Broschüre "Kooperation als Chance".

El Salvador – Die mutigen Landfrauen von Jutiapa

Die Landfrauen im bergigen Norden El Salvadors leben mit ihren Familien in baufälligen Hütten aus dünnen Lehmwänden, meist ohne Toiletten, ohne Strom und fließendes Wasser in großer Armut. Sicher zu wohnen, ist ihnen das dringendste Anliegen, denn im Jahr 2001 zerstörte ein schweres  Erdbeben die meisten Hütten.

 

Josefina Aguilar steht auf der Terrasse ihrer kleinen Hütte und kocht an einer offenen Feuerstelle. Die nackte, festgestampfte Erde unter ihren Füßen. Schlechte hygienische Bedingungen.
Sechs Menschen nennen diese Hütte aus Holzgeflecht und Lehm seit acht Jahren ihr Zuhause. Ein Zuhause, das ihnen nicht einmal gehört. „Wir pachten das Land, wie die meisten Kleinbauern hier“, erklärt Josefina. „Wir säen, ernten und zahlen die Pacht mit einem Teil der Ernte, in Mais und Bohnen. Geld haben wir nur, wenn wir etwas verkaufen können.“

Viele Frauen sind Alleinversorgerinnen, da ihre Männer in den Städten nach Arbeit suchen. Sie gründeten die Frauengenossenschaft Asociación Cooperativa de Ahorro y Crédito Mujeres Solidarias (ACAMS) mit dem Ziel, Frauen zu fördern und damit das Leben der ganzen Familie zu verbessern. „Viele von uns haben jetzt erst lesen und schreiben gelernt“, erklärt Maria, Mitglied von ACAMS, „aber die Idee der gegenseitigen Hilfe, die haben wir alle sofort verstanden.“

Sie liehen sich gemeinsam Geld von einer Bank, investierten in Obst- und Gemüseanbau sowie in Kleingewerbe. Daraus entstand eine mit der Zeit stärker werdende Spargemeinschaft, die heute Kredite an Frauen vergibt. ACAMS zeigt ihnen, wie man das Geld sinnvoll einsetzt und steht den Frauen mit Rat und Tat zur Seite. „Der Erfolg kommt der ganzen Familie zugute“, fügt Maria stolz hinzu.

Vor ein paar Jahren starteten Frauen wie Maria den Bau von Wohnhäusern nach dem Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe. Durch Vermittlung der DESWOS holten sie sich das Know-How von Fachleuten, der nicaraguanischen Partnerorganisation EcoSur. Sie berät und unterstützt die salvadorianischen Frauen, bildet Handwerker aus und überwacht die technische Seite des Bauens.

Nach einer sehr erfolgreichen Pilotphase wird in 2012 in der kleinen Ortschaft Jutiapa in der Region Las Cabañas ein weiteres Hausbauprojekt für Mitglieder von ACAMS beginnen.
60 Häuser mit integrierten Kochstellen, Waschstellen und Toiletten werden errichtet. Die Häuser werden erdbebenresistent und ökologisch nachhaltig gebaut. So schützen zum Beispiel gut verankerte Dachtragstrukturen und die korrekte Platzierung von Fenstern und Türen vor den Schäden einer Erschütterung. Die Baumaterialien wie Wandfertigteile und Dachziegel werden vor Ort in Selbsthilfe produziert.

Die Familien tragen viel zum Bau ihrer Häuser bei. Alle müssen, natürlich ihrem Einkommen angepasst, ihren Kredit bei der Genossenschaft zurückzahlen. Diese Rückzahlungen bilden einen Fonds, aus dem weitere Häuser gebaut werden können.

Die DESWOS Deutsche Entwicklungshilfe für soziales Wohnungs- und Siedlungswesen e. V. ist eine eigene Entwicklungshilfeorganisation der Wohnungswirtschaft in Deutschland. Sie wird vom GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V. und seinen Mitgliedsverbänden getragen.

Weitere Informationen zu DESWOS-Projekten finden Sie unter www.deswos.de.