Genossenschaftliche Gruppe

Die Genossenschaftsgruppe ist die bei Weitem mitgliederstärkste Wirtschaftsorganisation in Deutschland. Mit 20 Millionen Mitgliedern und mehr als 800.000 Mitarbeitern in über 7.500 Genossenschaften sind sie eine treibende Kraft für Wirtschaft und Gesellschaft. Jeder vierte Bundesbürger ist statistisch gesehen Mitglied einer Genossenschaft. Genossenschaften gibt es in vielen verschiedenen Bereichen und Branchen, die in fünf Sparten zusammengefasst werden können: Genossenschaftsbanken, Wohnungsgenossenschaften, Raiffeisen-Genossenschaften, gewerbliche Genossenschaften und Konsumgenossenschaften.  

Energiegenossenschaften

Bürger, Kommunen und lokale Wirtschaft in guter Gesellschaft

Der Ausbau der Erneuerbaren Energien findet vor allem in den ländlichen Regionen Deutschlands statt. Landwirtschaftliche Betriebe, Unternehmen und Kommunen, aber auch viele Privatpersonen engagieren sich in Energieprojekten vor Ort. Für gemeinschaftliche Vorhaben ist das Modell der Bürger-Energiegenossenschaft weit verbreitet.

Hier schließt man sich mit Gleichgesinnten zusammen, um – häufig gemeinsam mit kommunalen Entscheidungsträgern, öffentlichen Einrichtungen und regionalen Banken – Kraftwerksprojekte im Bereich der Sonnen- und Windenergie oder Nahwärmenetze zu betreiben. Investitionsrisiko und Betreiber-Know-how werden über die Genossenschaft gebündelt.

Im Bereich der Erneuerbaren Energien gibt es rund 850 Genossenschaften mit etwa 183.000 Mitgliedern. Die meisten von ihnen wurden in den vergangenen zehn Jahren gegründet. Sie haben etwa 1,7 Mrd. Euro in Erneuerbare Energien investiert und produzieren rein rechnerisch mehr Strom, als in den Haushalten ihrer Mitglieder verbraucht wird.

Die Mitgliedschaft ist in vielen Genossenschaften bereits mit weniger als 100 Euro möglich. Damit wird eine breite Bürgerbeteiligung ermöglicht. Mehr als 90 Prozent der Genossenschaftsmitglieder sind Privatpersonen. Die Genossenschaftsgründer verfolgen vor allem zwei Ziele: Zum einen können sich die Bürger einer Region aktiv an der Energiewende beteiligen. Zum anderen wird mit der Umstellung auf erneuerbare Energieressourcen auch die regionale Wertschöpfung gefördert. In den meisten Projekten sind Handwerksbetriebe, Serviceunternehmen oder Banken aus der Region beteiligt. Und die Kommune profitiert von zusätzlichen Steuereinnahmen.
Besonders wichtig ist in diesem Zusammenhang die demokratische Willensbildung in Genossenschaften. Sie ermöglicht einen Interessenausgleich und schafft Vertrauen. Die Beteiligungs- und Mitbestimmungsmöglichkeiten des Einzelnen fördern zudem die Verantwortung für das gemeinsame Energieprojekt. Ein weiterer Vorteil der genossenschaftlichen Rechtsform wird im Energiebereich besonders deutlich: Die aktive Beteiligung und Organisation einer großen Mitgliederzahl ist problemlos möglich.

Die lokale Verwurzelung, der hohe Grad an Mitbestimmung und Transparenz sowie die enge Ausrichtung an den Bedürfnissen der Mitglieder verbessern erheblich die Akzeptanz für die Energiewende. Die Menschen sind viel eher bereit, ein Windrad oder eine Biogasanlage im eigenen Heimatort zu akzeptieren, wenn sie selbst daran beteiligt sind und die Wertschöpfung in der Region bleibt. Zukünftig werden die Vermarktung von Strom und die direkte Belieferung der Mitglieder immer wichtiger. Hierfür sind bereits die ersten Dachgenossenschaften gegründet worden.
 

Bild: Bioenergiedorf Jühnde (Bildquelle: W. Beisert)