Wir sind „Ein Gewinn für Deutschland“

Die mehr als 7.500 Genossenschaften und genossenschaftlichen Unternehmen in Deutschland sind ein wichtiger Bestandteil der mittelständischen Wirtschaft. Sie wirtschaften mit langfristiger Perspektive, fördern ihre Mitglieder und sind in der Region verankert. Stabilität und Verantwortung zeichnen Genossenschaften aus.

Aus all diesen Gründen ist jede einzelne Genossenschaft „Ein Gewinn für Deutschland“. An dieser Stelle haben die Genossenschaften die Gelegenheit, der Öffentlichkeit zu präsentieren, was sie auszeichnet und sie zu einem ganz besonderen „Gewinn für Deutschland“ macht. 

Familiengenossenschaft Monheim eG, Monheim

In Politik und Medien wird viel über die Vereinbarkeit von Beruf und Familie geredet. Doch was können Arbeitgeber konkret tun? Eine Gruppe von Unternehmen zeigt, wie mit einer Familiengenossenschaft eine Kindertagesstätte betrieben werden kann.


„Mittelständische Unternehmen haben zumeist nicht die finanziellen Möglichkeiten, einen eigenen Betriebskindergarten zu betreiben. Für jeden Kitaplatz sind 1.000 Euro und mehr im Monat fällig“, sagt Arne Bergmann, Vorstand der Familiengenossenschaft Monheim eG. „Wir haben einen kooperativen Weg gewählt, damit auch kleine Unternehmen mit nur zehn Mitarbeitern etwas bewegen können“, so Bergmann, der hauptberuflich Bereichsleiter für Organisation und Personal der JENOPTIK Robot GmbH ist.

„Die Herausforderung am Anfang war, genügend mittelständische Unternehmen aus der Region zu gewinnen, die auch Geld in die Hand nehmen würden“, ergänzt Vorstandskollege und Mitinitiator Harald Mikat von der TML Technik. Die Idee zu einer gemeinschaftlichen Betriebskita wurde schon vor einigen Jahren entwickelt. Im August 2013 gründeten schließlich sechs Monheimer Unternehmen ihre Familiengenossenschaft, mit der die Mitarbeiter bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf unterstützt werden.

Trägerstruktur und Bildungskonzept
Für eine Betriebskita sind neben finanziellen Aspekten auch die Fragen nach der Trägerstruktur und einem geeigneten Bildungskonzept zu beantworten. Hier wurde von Anfang an mit der Stadt Monheim und dem örtlichen Jugendamt eng zusammengearbeitet. „Insbesondere der Bürgermeister unserer Gemeinde hat sich persönlich stark in die Projektplanungen eingebracht“, so Mikat. Gemeinsam wurde nach dem passenden Träger der Einrichtung gesucht. Die Wahl fiel schließlich auf die Arbeiterwohlfahrt (AWO). Die Familiengenossenschaft ist zwar Eigentümerin und Betreiberin der Kita, die Betreuung der Kinder und die Bereitstellung des Personals erfolgt aber durch die AWO.

Auch mit Blick auf die finanzielle Förderung nach dem Kinderbildungsgesetz (KiBiz) in Nordrhein-Westfalen wurde der Kindergarten im Verbund mit der Stadt Monheim geplant. Aufgrund dieser Verbundlösung werden über die KiBiz-Förderung etwa 90 Prozent der laufenden Kosten von der öffentlichen Hand getragen. Im Gegenzug werden 30 Prozent der Kapazitäten – also 15 Kita-Plätze – den Monheimern über das Jugendamt zur Verfügung gestellt. 35 Plätze sind für den Nachwuchs der Mitgliedsunternehmen reserviert.

Am 1. August 2014 wurde die Kindertagesstätte eröffnet. „Sie ist für drei Gruppen mit insgesamt 50 Kindern ausgelegt. Alle Gruppen sind so konzipiert, dass auch unter Dreijährige darin betreut werden können“, erklärt Bergmann. Insgesamt stehen den Kindern auf zwei Ebenen über 700 Quadratmeter zur Verfügung.

Das Gebäude wurde mit viel Liebe zum Detail gebaut: Vom Klemmschutz an den Türen, über die lärmabsorbierende Akustikdecke und den gedämpften Bodenbelag in der Mehrzweckhalle bis hin zur beheizten Kinderwagengarage. Das 2.200 Quadratmeter große Grundstück wurde von der Gemeinde erworben. Für das gesamte Projekt hat die Genossenschaft 2,2 Millionen Euro investiert.

Beim Bildungskonzept setzt man neben den herkömmlichen Bildungsaspekten auf eine technisch-naturwissenschaftliche Ausrichtung. Zur Entwicklung dieser Fähigkeiten wurden eine Forscherwerkstatt und ein kindgerechter Laborraum eingerichtet. Hier können die Kinder basteln und spielen. Zum anderen wird ein bilinguales Früherziehungskonzept verfolgt, das heißt den Kindern wird die englische Sprache mitvermittelt.

Rechtsform Genossenschaft
Bei der Suche nach der passenden Rechtsform wurden verschiedene Alternativen geprüft. Sie sollte für unternehmerische Zwecke geeignet sein, womit der Idealverein ausschied. Eine gleichberechtigte Zusammenarbeit musste sichergestellt werden. Damit fiel die Entscheidung auf die eingetragene Genossenschaft: „Egal ob man nur einen Kitaplatz in Anspruch nimmt oder ob man mehrere Plätze reserviert, alle Beteiligten sitzen gleichberechtigt am Tisch“, so Mikat. Neben dem beratenden regionalen Prüfungsverband konnte man bei der Gestaltung der Genossenschaft auf Know-how aus den eigenen Reihen zurückgreifen. Die Raiffeisenbank Rhein-Berg ist nämlich selbst mit zwei Kitaplätzen aktives Mitglied der Familiengenossenschaft.

In der Satzung der Genossenschaft wurde festgelegt, dass jedes Mitgliedsunternehmen bis zu zehn Geschäftsanteile in Höhe von jeweils 10.000 Euro erwerben kann. Ein Geschäftsanteil spiegelt den Anspruch auf einen Kitaplatz. Bislang wurden pro Unternehmen maximal vier Anteile gezeichnet. Für die laufenden Kosten der Bildungsstätte werden pro Kindergartenplatz monatlich etwa 250 Euro fällig. Je nach Unternehmenspolitik wird dieser Betrag für die eigenen Mitarbeiter mitübernommen.

Für die beteiligten Unternehmen zahlt sich dieses finanzielle Engagement aus. „Kinderbetreuung gehört zu den weichen Standortfaktoren. Familienfreundlich gestaltete Arbeitsplätze sind ein wichtiges Kriterium für die Arbeitsplatzwahl junger Familien“, erläutert Mikat. Aufgrund des zunehmenden Mangels an Fachkräften ist die Mitgliedschaft in der Familiengenossenschaft eine gute Möglichkeit, hochqualifizierte Mütter und Väter an das eigene Unternehmen zu binden.

Inzwischen zählt die Genossenschaft 9 Mitgliedsunternehmen. „Die Kita ist zwar voll,  doch es können noch weitere Unternehmen mitmachen“, sagt Bergmann. Zukünftig könnten nach Ansicht der Initiatoren auch die Beratungsleistungen der Familiengenossenschaft erweitert werden. Nicht nur Kinderbetreuung, sondern auch die Tagesbetreuung älterer Menschen oder die Beratung der Mitarbeiter in schwierigen persönlichen Lebenslagen würden mit ins Angebot aufgenommen.