Wir sind „Ein Gewinn für Deutschland“

Die mehr als 7.500 Genossenschaften und genossenschaftlichen Unternehmen in Deutschland sind ein wichtiger Bestandteil der mittelständischen Wirtschaft. Sie wirtschaften mit langfristiger Perspektive, fördern ihre Mitglieder und sind in der Region verankert. Stabilität und Verantwortung zeichnen Genossenschaften aus.

Aus all diesen Gründen ist jede einzelne Genossenschaft „Ein Gewinn für Deutschland“. An dieser Stelle haben die Genossenschaften die Gelegenheit, der Öffentlichkeit zu präsentieren, was sie auszeichnet und sie zu einem ganz besonderen „Gewinn für Deutschland“ macht. 

Forstwirtschaftliche Vereinigung Schwarzwald eG, Mühlenbach

Für viele ist der Wald ein Erholungsgebiet. Dass er gepflegt ist und die Wege präpariert sind, nimmt man als gegeben hin. Für Waldbesitzer ist die Pflege und Vermarktung von Holz aber mit einem hohen Aufwand verbunden. Eine Genossenschaft im Schwarzwald bündelt deshalb die Interessen der Waldeigentümer.


Schon seit längerem war man im Mittleren Schwarzwald auf der Suche nach einem gemeinschaftlichen Unternehmen für die Waldbesitzer der Region. Orkan „Lothar“, der im Dezember 1999 über den Schwarzwald fegte und dabei enorme Schäden anrichtete, beschleunigte den Prozess. „Unsere Waldbesitzervereinigung durfte bis dato das Holz nicht selbst vermarkten“, sagt Joachim Prinzbach, heute geschäftsführender Vorstand der Forstwirtschaftlichen Vereinigung Schwarzwald eG (FVS). „Wir konnten keine Firmen beauftragen oder Rechnungen stellen, deshalb hatten wir zunächst als Hilfskonstruktion eine GmbH“. Auf Dauer war diese Doppelkonstruktion von Verein und GmbH aber zu umständlich und so gründeten die Waldbesitzer im November 2010 die FVS. Sitz der Genossenschaft ist Mühlenbach.

Novellierung des Bundeswaldgesetzes

Den Waldbesitzern kam zum Gründungszeitpunkt eine neue gesetzliche Regelung zugute. Denn mit der Novellierung des Bundeswaldgesetzes im Jahr 2010 war es nun auch forstwirtschaftlichen Zusammenschlüssen erlaubt, ihr Holz eigenständig zu vermarkten. Um aber am Holzmarkt erfolgreich tätig zu sein, ist eine gewisse Größe erforderlich. Deshalb wurde als Vereinigungsform die Genossenschaft gewählt, mit der die unabhängigen Waldeigentümer ideal ihre wirtschaftlichen Interessen bündeln können. Die FVS ist heute mit über 50 Forstbetriebsgemeinschaften und größeren Einzelbetrieben – dahinter stehen etwa 3.700 Waldbesitzer – der größte forstliche Zusammenschluss in Baden-Württemberg. Mitglieder sind beispielsweise die Kommunen Kenzingen und Friesenheim oder die Evangelische Stiftung Pflege Schönau. Rund 76.000 Hektar Wald vereinigt die Gemeinschaft. Etwa 300.000 Festmeter Rundholz werden jedes Jahr im Auftrag der Waldbesitzer vermarktet, was etwa 3 Prozent vom Holzeinschlag des Bundeslands entspricht.

Zusammenschlüsse dieser Art werden immer wichtiger. Die Globalisierung führt seit vielen Jahren zu einem Konzentrationsprozess in den Sägewerken und in der Holzindustrie. Diese Konzentration auf der Nachfrageseite erfordert ein Zusammenwirken auf der Angebotsseite, wenn man auf Augenhöhe über Abnahmemengen und Preise verhandeln möchte. Doch die Anbieter sind zersplittert. Allein in Baden-Württemberg gibt es 200.000 Waldbesitzer, die im Durchschnitt etwa 1,4 Hektar Wald besitzen. Dieser strukturelle Nachteil kann am besten durch eine Kooperation ausgeglichen werden.

In der Zusammenarbeit mit der Industrie sieht Prinzbach aber keine übertriebene Konkurrenz: „Hier hat sich in den vergangenen Jahren der Zeitgeist geändert. Holzindustrie und die Waldbesitzer sind an verlässlichen Geschäftsbeziehungen interessiert. Unser Ziel ist eine nachhaltige und nutzbringende Partnerschaft für beide Seiten“, so der Genossenschaftsvorstand. Die Mitglieder profitieren hierbei vor allem durch Preis- und Liefersicherheit der zumeist langfristig angelegten Lieferverträge.

Der Zweck der Genossenschaft ist jedoch nicht nur die Verbesserung der Vermarktungs- und Erlössituation bei den Waldbesitzern. Dienstleistungen werden entlang der gesamten Wertschöpfungskette vom „Baum bis zum Werk“ angeboten. Bei Bedarf wird für die Mitglieder auch der Wald bewirtschaftet. Für den Holztransport und andere Tätigkeiten wird dabei mit Unternehmen aus der Region zusammengearbeitet. Die FVS leistet somit einen wichtigen Beitrag für die regionale Wirtschaft.

Auch die oft lästigen administrativen Aufgaben werden für die Mitglieder übernommen, kaufmännisch und steuerlich geprüfte Abrechnungen erstellt oder Warenlieferungen durch Versicherungen und Bürgschaften zentral abgesichert. Der gesamte Prozess wird über eine internetbasierte Datenlogistikplattform abgewickelt.

Holz mehrfach nutzen

Der Rohstoff Holz wird in Zukunft immer bedeutender. Ein zentraler Bereich ist die Energieerzeugung. So sind Holzhackschnitzel derzeit sehr begehrt bei den Betreibern von Blockheizkraftwerken. Viele Nahwärmenetze nutzen den Wald als Energiequelle. Auch die FVS ist an einem Bioenergieprojekt in Schnellingen als Partner beteiligt. Doch Prinzbach gibt zu bedenken: „Wir müssen bei der Nutzung von Holz in Kaskaden denken. Bevor Holz einfach nur verbrannt wird, kann es in verschiedenen Stufen genutzt werden“.

So könne Holz beispielsweise zunächst als Palette in der Logistik Verwendung finden. Wenn diese abgenutzt oder beschädigt sei, könne man das Holz häckseln und daraus Spanplatten etwa für Küchenmöbel herstellen. Erst wenn diese Möbel ausrangiert würden, könne das Holz der thermischen Verwertung zugeführt werden. Der Energiegehalt des Holzes verändere sich über die Zeit eigentlich ja nicht.

Bei der Rechtsformwahl gab es keine größeren Diskussionen. „Die Genossenschaft passt einfach sehr gut zu unseren Aufgaben“, meint Prinzbach. Zum einen sei es der Vorteil einer großen Gemeinschaft, dass für die Mitglieder eine breite Palette an Dienstleistungen bereitgehalten werden kann. Zum anderen sei vor allem der einfache Eintritt neuer Mitglieder wie bei einem Verein sehr vorteilhaft. Zentral aber sei, dass man als Waldbesitzer in der Genossenschaft sowohl Kunde als auch Entscheider sei. „Es ist die eigene Firma, ein Unternehmen von Waldbesitzern für Waldbesitzer“, bringt es Prinzbach auf den Punkt.

Die Genossenschaft steht auch neuen Mitgliedern offen. Getreu der Firmendevise „Holz der kurzen Wege“ muss allerdings eine gewisse räumliche Nähe zu der Waldbesitzergemeinschaft gegeben sein. Das Potenzial in der Region ist groß. Und so muss man in Mühlenbach gar nicht auf Holz klopfen, damit die Genossenschaft auch weiterhin erfolgreich sein wird.

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