Ein Gewinn für Deutschland!

Die Vereinten Nationen haben 2012 zum Internationalen Jahr der Genossenschaften ausgerufen, um auf die weltweite Bedeutung von Genossenschaften aufmerksam zu machen und ihre Rolle für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung hervorzuheben.Auch bedeutende Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft freuen sich über diese Entscheidung und unterstützen die deutsche Kampagne zum Genossenschaftsjahr.

Grußwort von Bärbel Dieckmann, Präsidentin der Welthungerhilfe

Genossenschaften sind ein grundlegender Baustein für die Überwindung von Hunger und Armut
Die Vision der Welthungerhilfe ist eine Welt, in der alle Menschen die Chance haben, ihr Recht auf ein selbstbestimmtes Leben in Würde und Gerechtigkeit, frei von Hunger und Armut wahrzunehmen. Weltweit hungern 925 Millionen Menschen, die große Mehrheit davon in Entwicklungsländern. Zwar steigt die Anzahl der städtischen Armen und Hungernden in vielen Teilen der Welt, doch die Mehrheit der Betroffenen lebt heute auf dem Land und damit ausgerechnet dort, wo Nahrung erzeugt wird. Die meisten dieser Menschen leben in kleinbäuerlichen Familien oder sind Landlose, die hauptsächlich in der Landwirtschaft Beschäftigung finden. Sie können sich von dem, was sie anbauen, ernten, verkaufen und als Lohn erhalten, nicht ausreichend ernähren. Daher ist die ländliche Entwicklung der Schlüssel, um unsere Vision zu verwirklichen.
Knapp 500 Millionen der weltweit 525 Millionen Bauernhöfe liegen in Asien und Afrika und sind mit durchschnittlichen Hofgrößen von 1,6 ha extrem klein. Nicht nur die kleinen Flächen schränken die Entwicklungs- und Gewinnpotentiale armer Landwirte in Entwicklungsländern dramatisch ein. Zumeist sind diese Kleinbauern kaum organisiert, haben wenig Kenntnis von Markt- und Handelsstrukturen und keine Möglichkeit, sich über standortgerechte Anbaumethoden zu informieren. Die Bildung und Förderung von Genossenschaften ist daher ein grundlegender Baustein der ländlichen Entwicklung.
Genossenschaften stellen ein wichtiges Instrument zur Förderung der Selbsthilfe dar. Gemeinsames Wirtschaften bringt Kostenvorteile – je nach Situation durch Kooperation bei Einkauf, Transport, Lagerung und Vermarktung sowie bei der Finanzierung von Investitionen oder einer Kombination verschiedener Bereiche. Genossenschaften schaffen die Voraussetzung für Arbeitsteilung und Spezialisierung und leisten einen Beitrag zur Verbesserung der Produktqualität. Genossenschaften können auch selbst Trägerinnen einer entsprechenden Diversifizierung sein, indem sie ihr Angebot etwa auf Bildungs- und Finanzdienstleistungen und auf nicht-landwirtschaftliche Bereiche (Handwerk) ausdehnen.
Die ländlichen Regionen der Entwicklungsländer wurden in den letzten zwei Jahrzehnten bei Investitionen und Politikreformen stark vernachlässigt, sowohl seitens der Regierungen der Entwicklungsländer als auch der internationalen Entwicklungszusammenarbeit. In jüngster Zeit gibt es Anzeichen, dass die Politik hier einen Kurswechsel vollzieht. Das internationale Jahr der Genossenschaften kommt daher zu einem passenden Zeitpunkt: Es gilt nun, der Förderung von Genossenschaften in Strategien der ländlichen Entwicklung und Armutsbekämpfung eine Schlüsselposition einzuräumen.