Ein Gewinn für Deutschland!

Die Vereinten Nationen haben 2012 zum Internationalen Jahr der Genossenschaften ausgerufen, um auf die weltweite Bedeutung von Genossenschaften aufmerksam zu machen und ihre Rolle für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung hervorzuheben.Auch bedeutende Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft freuen sich über diese Entscheidung und unterstützen die deutsche Kampagne zum Genossenschaftsjahr.

Grußwort von Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Bundesministerin der Justiz

„Was dem einzelnen nicht möglich ist, das vermögen viele.“
(Friedrich Raiffeisen, Mitbegründer des Genossenschaftswesens in Deutschland)

Dieses Zitat Friedrich Raiffeisens zum Wesen der Genossenschaft aus der Mitte des 19. Jahrhunderts trifft heute genauso zu wie vor 150 Jahren – auch deshalb freue ich mich, dass die Vereinten Nationen das Jahr 2012 zum Internationalen Jahr der Genossenschaften ausgerufen haben.

Hierdurch soll eine Rechtsform in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt werden, die eine attraktive Mischung aus körperschaftlicher Verfassung und personalistischen Gestaltungselementen bereit hält: Die Verselbständigung des Personenverbandes und die hiermit verbundene grundlegende Unabhängigkeit des Verbandes von der Mitgliederzusammensetzung wird flankiert von personalistischen Prinzipien wie zum Beispiel dem Prinzip der Selbstorganschaft und dem Kopfstimmrecht („one man one vote“). Aufgrund dieses Kopfstimmrechts kann man die Genossenschaft wohl die demokratischste aller Unternehmensrechtsformen nennen: Mitglieder sind Mitbesitzer, und sie sind gleichberechtigt in den demokratischen Entscheidungsprozess ihrer Genossenschaft eingebunden.

Statt der bloßen Maximierung der Kapitalrendite steht bei der Genossenschaft die Förderung der Mitgliederinteressen im Mittelpunkt. Das führt zu einem gesamtverantwortlichen Bewusstsein, so dass neben den unmittelbaren Mitgliederinteressen auch gesellschaftliche Belange, die Sicherung von Arbeitsplätzen und die Ausbildung des eigenen Berufsnachwuchses gefördert werden. Damit stellt die Genossenschaft eine Form dar, die in der heutigen auf Gewinnmaximierung ausgerichteten Zeit einen Gegentrend aufrecht erhält. Die Genossenschaft widersteht einem weiteren Trend der heutigen Zeit: Sie ist – was in Zeiten von schnell auf einander folgenden wirtschaftlichen Krisen besonders bemerkenswert ist – auch die insolvenzfesteste und damit nachhaltigste Unternehmensform: Genossenschaften sind stabiler und gehen seltener in die Insolvenz als andere Unternehmen.

Die Rechtsform der Genossenschaft hat sich in den letzten 150 Jahren für eine Förderung unterschiedlichster Mitgliederinteressen bewährt. Die Zahl der Genossenschaften wächst. Keine andere Unternehmensgruppe hat einen vergleichbar breit gestreuten Anteilsbesitz.
Die Idee der Genossenschaft lebt davon, dass mit Genossenschaften konkrete Lösungen für konkrete Probleme umgesetzt werden können. So ist die Genossenschaft eine Rechtsform, über die auch gesellschaftliche Entwicklungen gut mitgetragen und mit gestaltet werden können. Dementsprechend findet man Genossenschaften heute nicht nur in den traditionellen Bereichen Handel, Banken, Landwirtschaft und Wohnungsbau, sondern auch in sich neu entwickelnden modernen Bereichen wie zum Beispiel Dienstleistung, medizinische Versorgung und erneuerbare Energien. Das zeigt, dass für die Genossenschaft auch heute noch gilt, was schon Hermann Schulze-Delitzsch, Mitbegründer des Genossenschaftswesens in Deutschland, erkannt hat:

„Der Geist der freien Genossenschaft ist der Geist der modernen Gesellschaft.“

Gerade in der modernen Gesellschaft ist bürgerschaftliches Engagement gefragt, und bürgerschaftliches Engagement in Form von Genossenschaften findet sich in einer Vielzahl von Bereichen. So werden beispielsweise Dorfläden, aber auch ehemals kommunale Schwimmbäder, private Schulen und örtliche Wasserwerke als Genossenschaft betrieben. Mit Genossenschaften kann man sich auch den demografischen Herausforderungen unserer Zeit stellen: „Selbstbestimmtes Wohnen im Alter“ ist ein genossenschaftliches Konzept, unter dem preisgünstiges seniorengerechtes Wohnen möglich ist.
 
Ich freue mich, wenn anlässlich des Internationalen Jahres der Genossenschaft 2012 noch mehr Bürgerinnen und Bürger die Attraktivität der Rechtsform Genossenschaft erkennen und schätzen.