Wir sind „Ein Gewinn für Deutschland“

Die mehr als 7.500 Genossenschaften und genossenschaftlichen Unternehmen in Deutschland sind ein wichtiger Bestandteil der mittelständischen Wirtschaft. Sie wirtschaften mit langfristiger Perspektive, fördern ihre Mitglieder und sind in der Region verankert. Stabilität und Verantwortung zeichnen Genossenschaften aus.

Aus all diesen Gründen ist jede einzelne Genossenschaft „Ein Gewinn für Deutschland“. An dieser Stelle haben die Genossenschaften die Gelegenheit, der Öffentlichkeit zu präsentieren, was sie auszeichnet und sie zu einem ganz besonderen „Gewinn für Deutschland“ macht. 

Journalismus mit Tiefgang

Freie Journalisten haben oft mit den Nachteilen einer freiberuflichen Tätigkeit zu kämpfen. Aber auch die aktuellen Entwicklungen in der Medienlandschaft belasten. Eine junge Berliner Genossenschaft will dem entgegenwirken.

„Vielfalt, Tiefgang, Kooperation“, so lautet das Credo der RiffReporter eG, die sich der Rettung des Qualitätsjournalismus verschrieben hat. „Wir haben die Genossenschaft gegründet, damit wir den unabhängigen Journalismus in Deutschland stärken. Das ist auch ein wichtiger Beitrag für unsere Gesellschaft“, sagt Christian Schwägerl, Vorstand der Journalisten-Genossenschaft.

Wann kommt der nächste Auftrag? Wie koordiniert man Urlaubszeit und krankheitsbedingte Ausfälle? Welche Möglichkeiten der sozialen Absicherung gibt es? Das sind auch die Herausforderungen für die RiffReporter. Schwägerl ist selbst freier Journalist für GEO, FAZ und das ZEIT Wissen Magazin und kennt diese Situation nur zu gut. Die Kooperation hat aber noch einen anderen Hintergrund.

Medienwirtschaft im Wandel
Die Medienwirtschaft hat sich in der vergangenen Zeit dramatisch gewandelt. Bei den meisten Printmedien sind das klassische Abo und die Werbeanzeige schon seit Jahren auf dem Rückzug. Zudem wandern immer mehr Werbebudgets von den klassischen Medien hin zu Google, YouTube oder Facebook.

Dennoch wird ein Großteil der Beiträge in Radio, Fernsehen oder Printmedien von freiberuflichen Journalisten erstellt. „Das ist die fachliche Basis unserer Medienwelt, die als letztes Glied in der Kette aber am meisten mit den schrumpfenden Budgets zu kämpfen hat“, erläutert Schwägerl. Viele seiner Kollegen haben deshalb schon die journalistische Tätigkeit aufgegeben.

Nicht zuletzt stört die RiffReporter, dass die Themen in den Medien oftmals von den Internetkonzernen besetzt werden. Über viele relevante Inhalte und Ereignisse wird deshalb immer weniger informiert. Wenn man auf Hysterie setzt, kommen Themenvielfalt und inhaltlicher Tiefgang oft zu kurz. „Wir wollen der Effekthascherei einen gründlich recherchierten Journalismus entgegenstellen, der sich neben den Sachthemen auch den relevanten Zukunftsfragen zuwendet“, so Schwägerl.

An beiden Problemen, der wirtschaftlichen Unabhängigkeit und der Themenauswahl, setzt die Genossenschaft an, indem sie eine mediale Infrastruktur für freiberufliche Journalisten bereitstellt. Über die genossenschaftliche Plattform wird konkret die Zusammenarbeit zwischen den Mitglieds-Journalisten gefördert.

Korallen-Schwerpunkte sind Themen aus den Bereichen Wissenschaft, Gesellschaft, Kultur, Umwelt und Technologie. Die Projekte bzw. Themen werden unabhängig von der Genossenschaft gesetzt. Gleichwohl haben sich die Mitglieder untereinander einen Verhaltenskodex gegeben, der von einem Ethikrat überwacht wird. Faktenprüfung und Fehlerkorrektur sind die DNA der Genossenschaft, deshalb dürfen auch nur professionelle Journalistinnen und Journalisten als RiffReporter aufgenommen werden.

Flexibles Bezahlsystem
Die vollständigen Inhalte der Artikel werden über ein gemeinsames Bezahlsystem den Verlagen bzw. den Lesern angeboten. Die Distribution der erstellten Leistungen ist ganz wesentlicher Bestandteil der RiffReporter-Infrastruktur. Das Ziel dabei: Inhalte sollen möglichst mehrfach an die verschiedenen Kunden verkauft werden.

Dabei wird sehr viel Wert auf Nutzerfreundlichkeit gelegt. Je nach persönlichem Interesse wird ein flexibles und auch kleinteiliges Bezahlen ermöglicht, vom Abo einer Koralle bis hin zu einem einzelnen Artikel. Alles zu fairen Preisen. Für Verlage und andere Institutionen sind hingegen spezielle Flatrates entwickelt worden.

Die Schnittstelle zwischen Journalisten und Verlagen soll kontinuierlich weiterentwickelt werden. Die Genossenschaft stellt quasi den Pool an Inhalten bereit, auf den die Verlage strukturiert zugreifen können. Diese Schnittstellenfunktion wird perspektivisch auch für andere Kunden wie etwa Apples iTunes zugänglich gemacht.

Für ihren innovativen Ansatz wurden die RiffReporter bereits mit dem Netzwende-Preis von ZEIT-, Augstein- und Schwingenstein-Stiftung, dem Titel „Wissenschaaftsjournalisten des Jahres“ und dem Grimme Online Award ausgezeichnet. Förderung bekommt die Genossenschaft von der Digital News Initiative und nordmedia. Die Toepfer-, die ZEIT- und die Andrea-von-Braun-Stiftung sowie die Volkswagen-Stiftung fördern Teilprojekte.

All dies stärkt die Einkommensmöglichkeiten eines freien Journalisten. Die Genossenschaft erhält für ihre Dienstleistungen bei Einzelverkäufen 15 Prozent der Einnahmen und bei Flatrates 40 Prozent. Nach Abzug der Verwaltungsgebühr für den Bezahldienstleister bleiben rund 70 bis 75 Prozent beim Ersteller.

Rechtsform passt perfekt
Derzeit hat die RiffReporter eG 107 Mitglieder, davon sind 76 als Journalisten tätig. Darüber hinaus werden auch investierende Mitglieder aufgenommen, die sogenannten „RiffSupporter“, die den Qualitätsjournalismus fördern möchten. Dazu gehören als Institutionen bereits die Schweizer Demokratiestiftung und die GLS Treuhand e.V. Alles in allem soll eine breite Unterstützer-Community aufgebaut werden, um die hohen Anfangsinvestitionen aufzufangen. Schließlich soll die Genossenschaft in drei Jahren profitabel wirtschaften.

Die Rechtsform der eingetragenen Genossenschaft wurde gewählt, weil das nachhaltige Organisationskonzept am besten zu der medialen Kooperation passt. Die Einnahmen der Journalisten gehören diesen und werden von der Genossenschaft an sie ausgezahlt. In zunehmendem Maß soll nach der Anfangsphase die Umsatzbeteiligung die laufenden Kosten und den Ausbau der Infrastruktur decken. Überschüsse dienen neuen Investitionen, auch eine Verzinsung von Anteilen ist laut Satzung möglich.

Um auch gesellschaftliche Aufgaben gut verwirklichen, haben die RiffReporter gemeinsam mit der GLS Treuhand eine Stiftung zur Förderung von Bildung, journalistischer Qualitätssicherung und internationaler Kooperation gegründet. Diese Aktivitäten passen gut in das Selbstverständnis der Genossenschaft, journalistische Vielfalt, inhaltlichen Tiefgang und die Zusammenarbeit der Berufskollegen zu stärken.