Wir sind „Ein Gewinn für Deutschland“

Die mehr als 7.500 Genossenschaften und genossenschaftlichen Unternehmen in Deutschland sind ein wichtiger Bestandteil der mittelständischen Wirtschaft. Sie wirtschaften mit langfristiger Perspektive, fördern ihre Mitglieder und sind in der Region verankert. Stabilität und Verantwortung zeichnen Genossenschaften aus.

Aus all diesen Gründen ist jede einzelne Genossenschaft „Ein Gewinn für Deutschland“. An dieser Stelle haben die Genossenschaften die Gelegenheit, der Öffentlichkeit zu präsentieren, was sie auszeichnet und sie zu einem ganz besonderen „Gewinn für Deutschland“ macht. 

Kölner Friedhofsgärtner eG, Köln

„Heute schon an morgen denken. Das gilt nicht nur für den Ruhestand, sondern auch für die Zeit nach dem Leben", sagt Dirk Klein, geschäftsführender Vorstand der Genossenschaft Kölner Friedhofsgärtner eG. Die Erbschaft zu regeln oder Vollmachten für Bank oder Post auszustellen gehört genauso dazu wie die Frage, wie das Begräbnis und die Grabespflege organisiert werden sollen. „Viele Menschen möchten diese Themen selbstbestimmt regeln und heute schon alles vorbereiten", so Klein.


Wer sich rechtzeitig um die Grabpflege kümmern möchte, kann schon zu Lebzeiten mit einem Mitgliedsbetrieb der Genossenschaft einen Vertrag abschließen. Ein Kunde bezahlt eine Gesamtsumme auf das Treuhandkonto der Genossenschaft und erhält im Gegenzug ein Rundum-Sorglos-Paket. Die Dauergrabpflege sollte dabei mindestens für die Ruhefrist von 20 Jahren vereinbart werden. Der Friedhofsgärtner legt das Blumenbeet neu an, wässert, düngt und pflanzt im Jahresverlauf frische Gewächse, an Gedenktagen wird auf Wunsch auch Blumenschmuck aufgebracht und die Grabstätte wird regelmäßig gesäubert. Darüber hinaus hält er die Anlage instand, wenn etwa eine Grabhebung erforderlich wird. Eine Dauergrabpflege wird für die Zukunft vereinbart und sie umfasst einen langen Zeitraum. Für den Kunden stellt sich daher die Frage, ob der Vertragspartner das abgegebene Leistungsversprechen einhalten kann. Hier kommt die Genossenschaft ins Spiel. Sie verwaltet treuhänderisch das eingezahlte Geld und überwacht die spätere Grabpflege.

Unabhängig davon, ob ein Gärtnereibetrieb in zehn oder 20 Jahren noch existiert, garantiert die Genossenschaft, dass man sich später auch um die Gräber kümmert. Im Fall der Fälle würde ein anderer Mitgliedsbetrieb beauftragt und von der Genossenschaft bezahlt werden. Mindestens einmal im Jahr überprüft ein Grabkontrolleur, ob die Ruhestätten wie vereinbart gepflegt werden.

Lange Tradition
Die Genossenschaft hat eine lange Tradition. Sie wurde 1959 von 15 Kölner Friedhofsgärtnern gegründet. Heute sind es 44 Mitgliedsbetriebe. Sie betreuen die Friedhöfe in Köln, sind aber auch in den umliegenden Kommunen der Großstadt tätig.
Im Kölner Stadtgebiet gibt es 59 Friedhöfe mit einer Gesamtfläche von 485 Hektar. Das sind große Gebiete, die es zu pflegen gilt. In den vergangenen Jahren haben sich die Friedhöfe zudem deutlich verändert. „Urnenbestattungen liegen im Trend, was zu kleineren Grabflächen führt. Es gibt somit viel mehr Platz auf den Friedhöfen. Darauf muss man eine gestalterische Antwort finden", erläutert Klein.

Die Genossenschaft hat den Trend aufgegriffen und das Kozept der Bestattungsgärten entwickelt. Hierbei werden die Freiflächen in eine parkähnliche Anlage umgewandelt. Jeder Bestattungsgarten ist einzigartig: Der „Auengarten" ist beispielsweise ein naturnah angelegter Garten mit Findlingen als Grabsteine, der „Garten der Lichter" ist hingegen im Stil eines japanischen Gartens gehalten.

„Wir wollen mit den Bestattungsgärten auch die Nutzung von Friedhöfen verändern", sagt Klein. Es soll nicht nur ein Ort der Trauer und des Gedenkens sein, sondern auch der Begegnung und Erholung dienen. „Friedhöfe müssen stärker in die Gesellschaft und das tägliche Leben integriert werden. Es sind wichtige Grünflächen, die den Bürgern der Großstadt auch als Erholungsraum dienen", meint Klein.

In den vergangenen Jahren ist zudem eine Friedhofsflucht festzustellen. Immer öfter werden Bestattungswälder als letzte Ruhestätte gewählt. Das Motiv: Die Hinterbliebenen sollen möglichst keinen Pflegeaufwand haben. Bestattungswälder haben aber einige Nachteile. Es gibt keinen konkreten Punkt, keinen Grabstein, an dem man trauern kann.

Ein großer Nachteil ist zudem, dass die Wälder mit öffentlichen Verkehrsmitteln schwer zu erreichen sind. Die Kölner Friedhöfe sind hingegen verkehrstechnisch gut angebunden. Und dieses Problem wird immer dringlicher, je älter die Hinterbliebenen werden. „Deshalb haben wir zusätzlich einen Verein gegründet, der mit dem Friedhofsmobil kostenlos ältere Friedhofsbesucher zu Hause abholt und auch wieder zurückbringt", so Klein.

Nutzung verändern
Und noch etwas anderes haben die Friedhofsgärtner mit den Bestattungsgärten im Blick. Wenn Kommunen über die Unterstützung von kulturellen Aufgaben entscheiden, dann haben sie eher das Opernhaus oder eine sportliche Einrichtung als einen Friedhof auf dem Zettel. Verändert man nun aber die Nutzung der Friedhöfe, dann wird man auch von den Verantwortlichen anders wahrgenommen.

Herausforderungen gibt es somit genug. Auch mit der Niedrigzinsphase haben nicht nur Banken oder Versicherungen, sondern auch die Friedhofsgärtner zu kämpfen. Betriebliche Preissteigerungen sollen nämlich durch die Zinseinnahmen der angelegten Gelder kompensiert werden. Umso wichtiger ist die Bedeutung der Genossenschaft, die mit den anvertrauten Geldern seriös umgeht.

Einmal im Jahr organisiert die Genossenschaft gemeinsam mit der örtlichen Volksbank, der R+V Versicherung und der Caritas den Kölner Vorsorgetag. Bis zu 1.000 Teilnehmer informieren sich über verschiedene Themen wie Erbschaft, Patientenverfügungen oder eben auch die Vorsorge für das eigene Grab.

„Trotz großer Veränderungen in den vergangenen Jahren ist der Friedhof kein Auslaufmodell", resümiert Klein. Es sei aber wichtig, Friedhöfe attraktiver zu gestalten und sie als Kultur- und Freizeitraum zu etablieren.