Wir sind „Ein Gewinn für Deutschland“

Die mehr als 7.500 Genossenschaften und genossenschaftlichen Unternehmen in Deutschland sind ein wichtiger Bestandteil der mittelständischen Wirtschaft. Sie wirtschaften mit langfristiger Perspektive, fördern ihre Mitglieder und sind in der Region verankert. Stabilität und Verantwortung zeichnen Genossenschaften aus.

Aus all diesen Gründen ist jede einzelne Genossenschaft „Ein Gewinn für Deutschland“. An dieser Stelle haben die Genossenschaften die Gelegenheit, der Öffentlichkeit zu präsentieren, was sie auszeichnet und sie zu einem ganz besonderen „Gewinn für Deutschland“ macht. 

Labag Raiffeisen eG, Marbach am Neckar

In drei Jahren feiert die Genossenschaft ihr 100-Jahre-Jubiläum. Jürgen Häußermann denkt bereits intensiv darüber nach, wie gefeiert werden könnte. In 97 Jahren hat sich fast alles verändert im Betrieb, aber eines nicht. „Unser Ehrenamt, also die Mitglieder von Vorstand und Aufsichtsrat, denkt wie schon zu allen Zeiten genossenschaftlich. Sie identifizieren sich mit ihrer Genossenschaft. Das ist toll“, sagt der Geschäftsführer der in Marbach (Kreis Ludwigsburg) ansässigen Labag. Er muss es wissen, ist er doch bereits seit 27 Jahren bei ihr tätig. „Ich kam mit 28 Jahren ins Unternehmen“, erzählt Häußermann, der aus einem landwirtschaftlichen Betrieb im Rems-Murr-Kreis stammt und in Nürtingen studiert hat. Der Diplom-Agraringenieur ist verantwortlich für 504 landwirtschaftliche Mitgliedsbetriebe, die in den Kreisen Ludwigsburg, Rems-Murr, Heilbronn und Stuttgart ansässig sind.

Keimzelle war bei der Gründung 1919 das alte Oberamt Marbach, die Genossenschaft eine klassische Selbsthilfeeinrichtung ganz im Sinne von Friedrich Wilhelm Raiffeisen: gemeinschaftlicher Einkauf von Betriebsmitteln und gemeinsame, gebündelte Vermarktung der Erzeugnisse. So ist es auch noch heute. Aber: „In den vergangenen 20 Jahren haben wir unser Geschäftsgebiet erweitern können“, so Häußermann. Der Strukturwandel in der Landwirtschaft bleibe eine ständige Herausforderung für die Geschäftspolitik der Genossenschaft.

Mehrere Standorte der Labag in verschiedenen Segmenten
Die Verwaltungszentrale der Labag hat ihren Sitz in Marbach. Neben dem landwirtschaftlichen Lagerhaus und dem Getreidesilo mit insgesamt 4.500 Tonnen Lagerkapazität betreibt die Labag in Marbach auch einen Raiffeisen-Markt mit rund 1.000 Quadratmetern Verkaufsfläche. Seit 2015 läuft die von der BayWa angemietete und betriebene Holzpellet- Be- und Endladestation. Auch die Brenn-und Kraftstoffabteilung hat ihren Sitz seit kurzem in Marbach. In der Schillerstraße in Marbach betreibt die Labag seit 2012 eine Tankstelle mit Tankshop, welche sehr gut angenommen wird. Die Genossenschaft unterhält auch in Affalterbach eine vollautomatische 24-Stunden-SB-Tankstelle. Ein vollwertigen Agrarstandort ebenfalls mit Getreideerfassung ist in Großbottwar ansässig. Der dortige Raiffeisen-Markt ist rund 300 Quatratmeter groß. In Remseck-Aldingen wird saisonal Getreide erfasst oder Dünger umgeschlagen. Die Labag hat in den vergangenen Jahren rund 5 Millionen Euro investiert. Die Genossenschaft ist als moderner Betrieb breit aufgestellt. „Unser Agrargeschäft, die Erfassung landwirtschaftlicher Erzeugnisse sowie der Verkauf von Betriebsmitteln für die Landwirtschaft wie beispielsweise Saatgut, Dünger und Futtermittel, ist mit rund 40 Prozent Anteil nach wie vor unser Kerngeschäft“, erzählt Häußermann. Insgesamt werden jährlich zwischen 16.000 und 17.000 Tonnen Getreide umgeschlagen – also gereinigt, aufbereitet und an Mühlen und andere Großabnehmer verkauft. „Mit unserer Neckaranlände in Benningen für Getreide und Düngemittel sind wir sehr wettbewerbsfähig“, sagt der Geschäftsführer. „Vom Schiff direkt auf den Hänger des Mitgliedbetriebs.“

Image-Werbung für Mitgliedsbetriebe
Die Labag beschäftigt insgesamt 57 Mitarbeiter und machte 2015 einen Umsatz von rund 25 Millionen Euro. Das schwankt von Jahr zu Jahr. „Preisausschläge beispielsweise bei Getreide und Heizöl sind einfach Teil unseres Geschäfts“, so Häußermann. „Momentan sind die Preise in fast allen Segmenten im Keller.“ Das macht dem Labag-Geschäftsführer durchaus Sorgen. „Es gibt Mitglieder mit Liquiditätsengpässen. Zudem ist es momentan um das Image der heimischen Landwirtschaft nicht zum Besten bestellt.“ Deshalb hat sich die Genossenschaft dazu entschlossen, dem Beispiel der BAG Hohenlohe zu folgen. Die Schwäbisch Haller haben auf mehreren Fahrzeugen eine einheitliche Image-Werbung anbringen lassen mit dem Motto „Wir sind stolz auf unsere Bauern!“. „Wir kaufen einen neuen LKW mit entsprechender Beschriftung“, so Häußermann. „Damit und einem geplanten Großplakat am an einer Durchgangsstraße stehenden Siloturm wollen wir unsere Verbundenheit mit unseren Mitgliedsbetrieben und der hiesigen Landwirtschaft allgemein dokumentieren.“ Denn von einer Sache ist Häußermann felsenfest überzeugt: „Der Agrarsektor ist immens wichtig und hat auf lange Sicht gute Perspektiven.“

Quelle: GenoGraph 6/2016, Autor: Gunther Endres

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