Wir sind „Ein Gewinn für Deutschland“

Die mehr als 7.500 Genossenschaften und genossenschaftlichen Unternehmen in Deutschland sind ein wichtiger Bestandteil der mittelständischen Wirtschaft. Sie wirtschaften mit langfristiger Perspektive, fördern ihre Mitglieder und sind in der Region verankert. Stabilität und Verantwortung zeichnen Genossenschaften aus.

Aus all diesen Gründen ist jede einzelne Genossenschaft „Ein Gewinn für Deutschland“. An dieser Stelle haben die Genossenschaften die Gelegenheit, der Öffentlichkeit zu präsentieren, was sie auszeichnet und sie zu einem ganz besonderen „Gewinn für Deutschland“ macht. 

Mainzer Fastnacht eG, Mainz

„Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht“, den Titel der TV-Sendung kennen viele Menschen. „Doch es gibt für uns noch ein erhebliches Potenzial, die Marke „Mainzer Fastnacht“ bekannter zu machen“, sagt Karl-Otto Armbrüster, Aufsichtsratsvorsitzender der Mainzer Fastnacht eG und Präsident der Mainzer Prinzengarde.

Mehr und bessere Vermarktung ist die Herausforderung. Die Motivation der Initiatoren war zunächst aber eine andere: Kosten und Haftung. Bislang veranstaltet nämlich der Mainzer Carneval-Verein (MCV) das Großevent am Rosenmontag in Eigenregie und als verantwortliche Organisation.


Zwar geht die Gründung des MCV im Jahr 1838 mit dem Ziel eines „geordneten karnevalistischen Treibens“ genau auf diese Aufgabe zurück, doch in der heutigen Zeit sind Kosten- und Haftungsfragen von einer ganz anderen Qualität. Spätestens seit der Loveparade-Tragödie in Duisburg.

Zukünftig soll ein anderer Weg gefunden werden, die Straßenfastnacht in Mainz zu organisieren. Deshalb trafen sich die 38 Mainzer Fastnachtvereine und Garden im September 2013 mit dem Oberbürgermeister der Stadt. Ein Expertenkreis, dem auch Armbrüster angehörte, sollte eine gemeinschaftliche Lösung entwickeln. So entstand die Idee einer Fastnachtgenossenschaft.

„Mit der Genossenschaft soll nun ein gemeinsamer Veranstalter den Fastnachtszug verantworten, die organisatorische Kompetenz und auch die Zugleitung bleibt aber beim MCV“, erläutert Armbrüster das Konzept. Die Genossenschaft soll zudem die jedes Jahr wiederkehrenden Aufgaben, die in jeder Geschäftsstelle der Vereine und Garden anstehen, zentral organisieren. Hierzu gehört beispielsweise der Ticketverkauf zu den jeweiligen Veranstaltungen.

Synergien nutzen
Aber auch bei der Dekoration können eine Menge Kosten gespart werden. Bislang gestalten die Vereine ihre Veranstaltungen unabhängig voneinander. Wenn man sich besser abstimmt, dann könnten auch Aufbauten und Dekorationen in den Bürgerhäusern gemeinsam genutzt werden. Neben diesen Synergieeffekten sollen auch klassische Aufgaben einer Einkaufsgenossenschaft wahrgenommen werden, beispielsweise für Uniformen oder das Wurfmaterial.

Ein ganz wesentlicher Aspekt aber ist die Vermarktung der Marke „Mainzer Fastnacht“. „Da haben wir im Vergleich zu Köln mit dem Festkomitee des Kölner Karnevals noch großen Nachholbedarf“, so Armbrüster. Die Idee: Mit der Genossenschaft entsteht ein einheitlicher Ansprechpartner der Vereine, der auch ganz anders mit größeren Sponsoren über ein langfristiges Engagement verhandeln kann. Etwa beim Anmieten von Tribünen. Auch die Verwertung von Vermarktungsrechten für Merchandisingartikel gelingt einheitlich besser.

Mit der Genossenschaft sollen zwar gemeinschaftliche Interessen gebündelt werden, die eigentliche Vereinstätigkeit der Mitglieder bleibt davon aber unberührt. Deshalb hat man die Rechtsform der Genossenschaft gewählt. „Die Genossenschaft eignet sich sehr gut, gemeinsam ein Problem zu lösen und vom Erreichten zu profitieren. Und dabei bleibt jeder Verein authentisch“, so Armbrüster.

Zunächst hatte man eine GmbH & Co. KG ins Auge gefasst, das hätte zwar die Haftungsfragen geklärt, aber es hätte keine gemeinnützige Betreiberorganisation entstehen können. Gemeinnützigkeit ist nämlich eine Besonderheit der „Fünfte-Jahreszeit-Genossenschaft“. Sollten Überschüsse erwirtschaftet werden, dann entscheidet der Vorstand einstimmig, wie diese für gemeinnützige Zwecke im Sinne der Mainzer Brauchtumspflege verwendet werden.

Im Frühsommer 2015 wurden die letzten Satzungsfragen mit dem Genossenschaftsverband geklärt und auch die Gemeinnützigkeit vom Finanzamt bestätigt. Am 16. November schließlich tagten die Mainzer Vereine und Garden im kurfürstlichen Schloss. Auf der Gründungsversammlung haben von den 38 Vereinen sofort 23 ihre Mitgliedschaft erklärt. Sitz der Genossenschaft ist das Haus des MCV.

Nachwuchsförderung
In Vorstand und Aufsichtsrat der Mainzer Fastnacht eG sind Vertreter aus verschiedenen Vereinen gewählt worden. „Uns war es wichtig, dass Vertreter von großen und kleinen Vereinen in den Gremien vertreten sind“, so Armbrüster. Allerdings macht man auch kleine Unterschiede in der Mitgliedschaft. Die Möglichkeit für Mehrstimmrechte wurde auf eine besondere Weise genutzt: Die ältesten und/oder größten Vereine sollten im Rahmen einer Selbsteinschätzung entscheiden, wie viele Geschäftsanteile gezeichnet werden und ob man ein, zwei oder drei Stimmrechte in der Generalversammlung erhalten möchte. Bis zu drei Anteile zu je 1.500 Euro können gezeichnet werden.

Mit der Genossenschaft soll schließlich auch der Nachwuchs gefördert werden. Junge Menschen sollen verstärkt angesprochen werden, sich ehrenamtlich für die Brauchtumspflege in ihrer Heimat einzusetzen. Es geht also nicht nur um rechtliche und wirtschaftliche Vorteile, sondern auch um emotionale Bindung.

Für die aktuelle Saison bleibt noch alles beim Alten. Doch für das Jahr 2017 sei es durchaus realistisch, dass der Rosenmontagszug von der Genossenschaft veranstaltet wird. Mainz bleibt dann zwar immer noch Mainz, zukünftig aber vielleicht ein bisschen besser.