Wir sind „Ein Gewinn für Deutschland“

Die mehr als 7.500 Genossenschaften und genossenschaftlichen Unternehmen in Deutschland sind ein wichtiger Bestandteil der mittelständischen Wirtschaft. Sie wirtschaften mit langfristiger Perspektive, fördern ihre Mitglieder und sind in der Region verankert. Stabilität und Verantwortung zeichnen Genossenschaften aus.

Aus all diesen Gründen ist jede einzelne Genossenschaft „Ein Gewinn für Deutschland“. An dieser Stelle haben die Genossenschaften die Gelegenheit, der Öffentlichkeit zu präsentieren, was sie auszeichnet und sie zu einem ganz besonderen „Gewinn für Deutschland“ macht. 

Plattform für Cineasten

Die Kinomarkt Deutschland eG entwickelt eine gemeinsame E-Commerce-Plattform für Filmtheater. 

„Die Digitalisierung im Vorführraum ist abgeschlossen, aber beim digitalen Marketing und bei der digitalen Kundenansprache haben die deutschen Kinos noch enormen Nachholbedarf“, sagt Margarete Söhner, Vorständin der Kinomarkt Deutschland eG. „Wir erreichen unsere Kunden erst, wenn sie schon bei uns im Foyer stehen. Das ist zu spät.“

Konkurrenzdruck durch Streamingdienste

Kinobetreiber können ihr Publikum derzeit nicht gezielt ansprechen und zielgruppengerecht Filme bewerben. Und die Branche leidet darunter, dass sich viele Menschen lieber zu Hause auf dem Sofa eine Netflix-Serie anschauen als ins Kino zu gehen. „Heute besuchen nur noch 25 Millionen Menschen pro Jahr ein Kino. Vor zehn Jahren waren es fünf Millionen mehr. Jährlich bleiben in den deutschen Filmtheatern über 750 Millionen Plätze frei“, bedauert Ralf Holl, Betreiber des Kino-Centers Nastätten in Rheinland-Pfalz und Vorstand der Genossenschaft. Durch die Pandemie wurde die Situation für die Kinos noch einmal verschärft.

Zwar informieren fast alle Filmtheater im Internet und per Newsletter über ihr Programm, mehr aber auch nicht. „Wir bauen einen Online-Shop für kleine und mittlere Kinos, der das Kassensystem, die Webseite und den Vertrieb von Tickets und Merchandise-Artikeln in einem System vereint, wie man es von Zalando oder Amazon kennt“, sagt Holl. Dabei arbeitet die Genossenschaft mit der Cinster Germany GmbH zusammen. Das auf den Kinomarkt spezialisierte Unternehmen aus Berlin entwickelt und vertreibt unter anderem Software für die Vermarktung von Eintrittskarten, insbesondere Kinotickets.

Die Software erfasst auch wie häufig die Besucher ins Kino gehen, zu welcher Altersgruppe sie gehören und welche Filme sie bevorzugen. Denn genau da schlummert das Potenzial, um mehr Besucher anzulocken. Streamingdienste beherrschten die Kundenanalyse inzwischen perfekt, sagt Ralf Holl. Als Beispiel nennt er den Netflix-Thriller „Bird Box – Schließe deine Augen“ mit Sandra Bullock in der Hauptrolle. „Der Film ist wirklich mittelmäßig, aber Netflix hat durch geschicktes digitales Marketing so einen Hype ausgelöst, dass Bird Box in den USA erfolgreicher war als Titanic.“

Unterstützung für die Kooperation

„In der Plattform stecken drei Millionen Euro Kapital. Das ist zu viel für einen, aber gemeinsam kommen wir Schritt für Schritt voran“, meint Ralf Holl. Alleine könnten die Kinobetreiber so ein Portal jedoch nicht stemmen. „Die Kinomarkt Deutschland eG ist ein Unternehmen von Kinobetreibern für Kinobetreiber. Das macht sie extrem glaubwürdig“, sagt Margarete Söhner. Außerdem seien die Kinobetreiber sehr unterschiedlich aufgestellt. Die genossenschaftliche Rechtsform gleiche diese Unterschiede aus, sodass alle Mitglieder gleichberechtigt behandelt werden. „Das ist doch absolut charmant an dieser Unternehmensform“, sagt Söhner. 

Viele Kinobetreiber hat das Konzept der Genossenschaft schon überzeugt. Sie haben für rund 130 Spielstätten je einen Genossenschaftsanteil in Höhe von 1.000 Euro gezeichnet. Infolge der Pandemie hat sich das Wachstum der Genossenschaft verlangsamt. „Schon vor der Gründung der Genossenschaft im Mai 2019 haben viele Kinobetreiber ihr Interesse bekundet. Wegen Corona haben sie im Moment jedoch andere Sorgen“, sagt Holl. Unterstützung bekommt die Kinomarkt Deutschland eG – sehr zur Freude des Vorstands – von der Politik. Die FFA Filmförderungsanstalt gewährt der Genossenschaft ein zinsloses Darlehen über 150.000 Euro zur Anschubfinanzierung. „Die FFA hat gesehen, wie innovativ wir sind. Deshalb wurde uns das Darlehen gewährt, obwohl sich die FFA wegen Corona eigentlich einen Ausgabenstopp auferlegt hat“, sagt Holl.

Außerdem werden die Kinos inhaltlich und fachlich bei der Ideen-Entwicklung und der Umsetzung der Kampagnen betreut. Das Digitalministerium Bayern fördert das Projekt mit 250.000 Euro, das Staatsministerium für Kultur und Medien der Bundesregierung legt aus der sogenannten „Kulturmilliarde“ zur Bewältigung der Corona-Krise noch einmal 250.000 Euro drauf. „Das ist doch mal eine Ansage“, meint Holl.

Den vollständigen Artikel finden Sie im Bayerischen Genossenschaftsblatt Profil unter: www.profil.bayern.