Wir sind „Ein Gewinn für Deutschland“

Die mehr als 7.500 Genossenschaften und genossenschaftlichen Unternehmen in Deutschland sind ein wichtiger Bestandteil der mittelständischen Wirtschaft. Sie wirtschaften mit langfristiger Perspektive, fördern ihre Mitglieder und sind in der Region verankert. Stabilität und Verantwortung zeichnen Genossenschaften aus.

Aus all diesen Gründen ist jede einzelne Genossenschaft „Ein Gewinn für Deutschland“. An dieser Stelle haben die Genossenschaften die Gelegenheit, der Öffentlichkeit zu präsentieren, was sie auszeichnet und sie zu einem ganz besonderen „Gewinn für Deutschland“ macht. 

Sprachraum eG, München

„Die Kunst, richtig miteinander zu kommunizieren ist wie laufen lernen – man fällt so oft auf die Nase bis man liebevoll an der Hand genommen wird“, schreibt die Publizistin Wilma Eudenbach. Genau dieses „an der Hand nehmen“ hat ein Team von Münchner Kommunikationswissenschaftlern zur Geschäftsgrundlage ihrer Genossenschaft gemacht.


„Wir arbeiten bereits seit dem Jahr 2006 zusammen, zunächst als loses Konglomerat von Einzelkämpfern, dann als GbR unter der gemeinsamen Marke „Sprachraum“ und seit Anfang 2014 nun als eingetragene Genossenschaft“, beschreibt Dr. Andreas Hendrich, Sprechwissenschaftler und Psycholinguist der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) und zugleich Gründungsmitglied und Vorstandsvorsitzender der Genossenschaft die Entstehungsgeschichte der Sprachraum eG.

Ursprüngliche Geschäftsidee von Hendrich und seinen Mitstreitern war es, ihre Dozentenkollegen an der LMU fit in Sachen Kommunikation zu machen. Um dieses Angebot auch außerhalb der Hochschule einer größeren Zielgruppe zugänglich zu machen, entschied man sich nun für die Umwandlung in eine Genossenschaft. „Um unsere Angebote an Kunden aus der freien Wirtschaft zu vermarkten, ist es von Vorteil, als eigene juristische Rechtspersönlichkeit und nicht als loser Zusammenschluss von Einzelkämpfern aufzutreten“, erklärt Hendrich.

Die Entscheidung für die Genossenschaft war dann schnell gefallen. „Die Genossenschaft war für uns gleich die Rechtsform der Wahl, denn in der Sprachraum eG entscheiden wir seit jeher basisdemokratisch“, sagt Hendrich. „Wir arbeiten sehr offen und sehr persönlich zusammen. Unsere Beziehungen sind für uns ein enorm wichtiges Asset“, so der Genossenschaftsvorstand weiter.

Die Sprachraum eG bietet individuelle, auf den Bedarf des Kunden zugeschnittene Weiterbildungen zu allen Themen rund um Sprache und Kommunikation. Dabei kommen vom Einzelcoaching über klassische Workshops und Seminare bis hin zu interaktiven Vorträgen – je nach Inhalt, Zielsetzung und Gruppengröße – unterschiedliche Methoden zur Anwendung.

Akademische Ausbildung als Qualitätssiegel
Die acht festen Mitglieder der Genossenschaft sind alle studierte Sprechwissenschaftler und Psycholinguisten sowie ausgebildete Kommunikations- und Rhetoriktrainer. Darüber hinaus verfügen sie alle über weitere spezielle Kompetenzen in verschiedenen Bereichen. So finden sich beispielsweise unter den Mitgliedern der Sprachraum eG zwei Mediatorinnen, eine Logopädin, eine Moderatorin und ein Texter. Komplettiert wird das breite Leistungsangebot durch einen Pool aus festen Netzwerkpartnern, auf den die Genossenschaft bei Bedarf projektbezogen zurückgreifen kann.

Voraussetzung sowohl für eine Mitgliedschaft in der Genossenschaft als auch für die projektbezogene Zusammenarbeit als Netzwerkpartner der Sprachraum eG ist eine akademische Ausbildung der Trainer. „Unser akademischer Hintergrund ist für uns ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal, das unsere Qualität sichert, uns von vielen Wettbewerbern unterscheidet und Vertrauen beim Kunden schafft“, so Hendrich.

Zum Kundenkreis gehören inzwischen neben Ministerien und öffentlichen Verwaltungen auch Konzerne wie Siemens oder BMW. Die Projekte sind dabei sehr vielfältig, von der Schulung von AOK-Mitarbeitern im „kundenorientierten Briefeschreiben“ bis zur Unterstützung des Bayerischen Familienministeriums beim Thema „interkulturelle Kompetenz mit ausländischen Bürgern“.

Spezialisten sind die Sprachraum-Trainer auch bei der Begleitung von Change-Prozessen in Unternehmen. „Wenn es Veränderungen gibt, stellt sich immer auch die Frage, wie man diese am besten in die Teams hinein kommuniziert, sodass sich jeder einzelne Mitarbeiter mitgenommen fühlt. Bei diesen Fragen können wir wichtige Unterstützung leisten.“

Intensive Beratung statt Werbung
Neue Kunden akquiriert die Genossenschaft vor allem durch Weiterempfehlung von Bestandskunden oder Netzwerkpartnern. Die Marketingstrategie basiert dabei nicht auf aggressiver Akquise, sondern auf sehr sorgfältiger, individueller Beratung. Wenn neue Kunden gewonnen wurden, wird zunächst intensiv geprüft, wie ihre speziellen Bedürfnisse aussehen und wie sie am besten unterstützt werden können. Dann entwickelt die eG ein speziell auf diese Bedürfnisse zugeschnittenes Leistungsangebot. „Diese Vorgehensweise sichert uns eine hohe Kundenzufriedenheit“, beschreibt Hendrich.

Basierend auf den Kundenwünschen und den individuellen Spezialisierungen der einzelnen Trainer entscheiden die Genossenschaftsmitglieder dann auch gemeinsam, welcher Coach einen neuen Auftrag bearbeitet. Jeder Kunde erhält zudem einen festen Hauptansprechpartner in der Genossenschaft, der ihn während der gesamten Geschäftsbeziehung begleitet und an den er sich mit all seinen Fragen wenden kann.

Die Sprachraum-Mitglieder sind weiterhin freiberuflich tätig. Der gemeinsame Überbau durch die Genossenschaft bringt aber viele Vorteile mit sich: Es wird eine gemeinsame Marke gepflegt, die eG tritt gegenüber dem Kunden als Vertragspartner und Rechnungsteller auf und dient den Trainern als gemeinsames Verrechnungsdach. Zudem profitieren die Mitglieder von gemeinsamen Fortbildungsmaßnahmen und Schulungen.

Strategische Weichenstellungen, wie etwa die Festlegung der „Produktwelt“, werden in regelmäßig stattfindenden Planungstreffen von allen Mitgliedern gemeinsam getroffen. „Natürlich werden einige Fragen auch schon einmal heiß diskutiert, bevor wir zu einer gemeinsamen Entscheidung kommen. Das Gute ist, dass diese Entscheidungen dann auch von allen voll mitgetragen werden“, so Hendrich.

Das wichtigste Gut der Sprachraum eG sind aber die gemeinsam genutzten konzeptuellen Inhalte und Materialien. So wie andere Unternehmen Maschinen oder einen Fuhrpark zur Verfügung stellen, hat die Genossenschaft einen gemeinsamen Konzept- und Skripten-Pool, aus dem sich alle Mitglieder bedienen können, wenn sie eine Schulungsmaßnahme vorbereiten.

Für die Zukunft will die Sprachraum eG weiter wachsen. Allerdings nicht um jeden Preis, sondern gesund, organisch und entlang ihrer Möglichkeiten. Im Jahr 2015 wird als neuntes Mitglied eine Trainerin aus Berlin aufgenommen. Mit ihr sollen dann auch die Hauptstadt und die neuen Bundesländer als Märkte erschlossen werden, denn bislang ist die Sprachraum eG hauptsächlich in Bayern tätig. Darüber hinaus ist angedacht, mittelfristig auch die Geschäftsfelder „E-Learning“ und „mobile Learning“ weiter auszubauen.

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