Wir sind „Ein Gewinn für Deutschland“

Die mehr als 7.500 Genossenschaften und genossenschaftlichen Unternehmen in Deutschland sind ein wichtiger Bestandteil der mittelständischen Wirtschaft. Sie wirtschaften mit langfristiger Perspektive, fördern ihre Mitglieder und sind in der Region verankert. Stabilität und Verantwortung zeichnen Genossenschaften aus.

Aus all diesen Gründen ist jede einzelne Genossenschaft „Ein Gewinn für Deutschland“. An dieser Stelle haben die Genossenschaften die Gelegenheit, der Öffentlichkeit zu präsentieren, was sie auszeichnet und sie zu einem ganz besonderen „Gewinn für Deutschland“ macht. 

Stadtmarketing Seesen eG

Gemeinsam für unsere Stadt - Wie mit einer Genossenschaft der heimische Standort entwickelt wird

Wie können Kommune, Unternehmen und Bürger gemeinsam für ihre Stadt werben? In Seesen hat sich eine Genossenschaft dieses Ziel zur Aufgabe gemacht, nicht nur die Vielfalt der Region neu zu präsentieren, sondern auch das kulturelle Leben vor Ort zu fördern.

Die niedersächsische Gemeinde Seesen mit ihren knapp 20.000 Einwohnern, nordwestlich vom Harz gelegen, ist alles andere als ein verschlafenes Fleckchen Erde. Seitdem sich im Juni 2007 93 Betriebe, Institutionen und Privatpersonen zusammengeschlossen haben, um die Stadtmarketing Seesen eG zu gründen, ist hier Einiges in Bewegung. Mit dieser Gründung sollte der Ort in kultureller wie auch in wirtschaftlicher Hinsicht wieder mehr belebt werden.

Die Genossenschaft bot sich dabei als passende Gesellschaftsform an. Thorsten Scheerer, Vorstandsvorsitzender der Genossenschaft, sagt: „Wir haben eine verbindliche wirtschaftliche Grundlage gesucht, bei der alle Beteiligten auf Augenhöhe miteinander arbeiten.“ Zudem ist eine Genossenschaft wirtschaftlich aktiv und wird anders wahrgenommen als ein Verein oder ein loser Zusammenschluss. „Unser Ziel ist es, die Stadt aufzuwerten. Unsere Dividende ist nicht eine Gewinnausschüttung am Ende des Jahres, sondern der Lebenswert der Stadt“, ergänzt Scheerer.

Dafür sollten die Marketingaktivitäten der Stadt gebündelt und vorhandene Synergien genutzt werden. Um möglichst fundiert in das Marketinggeschäft zu starten, wurden zunächst Analysen und Untersuchungen in Auftrag gegeben. Dafür bekam die Genossenschaft Unterstützung von kommunaler Seite wie auch von privaten Sponsoren und konnte sogar wichtige EU-Fördermittel akquirieren. Entscheidend für ein ganzheitliches Stadtmarketing sind vor allem klare Strukturen für direkte Entscheidungswege sowie die Bündelung finanzieller und personeller Ressourcen. So ist Thorsten Scheerer zum Beispiel Leiter des Referats Stadtmarketing und Wirtschaftsförderung und zugleich ehrenamtlicher Vorstandsvorsitzender der Genossenschaft.

Die Stadtmarketing Seesen eG hat heute etwa 160 Mitglieder, zu denen die Stadt selbst, Einzelhändler, Handwerker, Industriebetriebe, Banken, Steuerberater, Dienstleister, Zeitungen, Privatpersonen und viele mehr zählen. „Dabei gilt es, die verschiedenen Interessen zu berücksichtigen. Wir versuchen immer, alle Anliegen im Dialog zu klären“, so Vorstand Hartwig Schlange. Vorstand und Aufsichtsrat arbeiten an der Umsetzung der Projekte, die aus der Beiratsarbeit hervorgehen. Die Beiräte, an denen sich grundsätzlich jedes Mitglied beteiligen kann, sind die eigentliche Ideenschmiede der Genossenschaft. Hier werden mögliche Handlungsfelder und Themen diskutiert, die die Entwicklung der Stadt voranbringen sollen.

In den letzten Jahren hat die Stadtmarketing Seesen eG schon viel erreicht und sich als wichtiger Partner bei der Stadtentwicklung etabliert. Unter den drei Rubriken City-, Tourismus- und Standortmarketing werden jeweils zielgruppenspezifische Projekte umgesetzt. Citymarketing geht es vor allem um die Entwicklung des Einzelhandels, die Stärkung der Innenstadt sowie die Steigerung der Attraktivität von Seesen. Neben den typischen Jahreszeitenveranstaltungen wie Frühlings- und Herbstfest, Sommermarkt und Weihnachtsmarkt veranstaltet die Stadtmarketing Seesen eG auch Events wie die „Seesener Nacht“, die mit ihren Open-Air-Konzerten bis zu 2.500 Gäste anlockt.

Ein ebenso wichtiger Bereich wie das Citymarketing ist das Tourismusmarketing. Dieses zielt darauf ab, Seesen als lohnenswertes touristisches Ziel interessanter zu machen. Das soll mit verschiedenen, zum Teil überregionalen Projekten erreicht werden. So sollen Verzeichnisse für Unterkünfte, Wanderwege und Radwege in und um Seesen erstellt werden. Spezielle Stadtführungen und Segwaytouren werden ebenfalls angeboten. „Wir wollen das, was wir haben, besser vermarkten. Um ein Produkt bewerben zu können, muss man es erst einmal aufbauen“, erklärt Scheerer.

In diesem Sinne setzt die Stadtmarketing Seesen eG auf einen Ihrer berühmtesten Bürger: Wilhelm Busch. Die letzten zehn Jahre seines Lebens verbrachte der für seine Bildgeschichten bekannte Dichter und Zeichner in Seesen-Mechtshausen. Die Genossenschaft hat sich seine beiden allseits beliebten Figuren Max und Moritz für eine umfassende Stadtmarketing-Kampagne zunutze gemacht. Sie sollen als Skulptur zum Identitätsträger für die Stadt Seesen werden. So kann jede Firma eine Skulptur individuell gestalten, eine Botschaft darauf platzieren und sich durch den Wiedererkennungswert von Max und Moritz als Teil der Stadt präsentieren.

Ein großer Erfolg war auch das ungewöhnliche Projekt „Fenster zum Harz“. Im Rahmen einer Studienarbeit wurde gemeinsam mit der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig ein Konzept entwickelt, welches auf eine innovative Art und Weise Besucher über die historischen Stätten in Seesen informieren soll.  Ziel war es, ein identifikationsstiftendes „Stadtmöbel“ zu konstruieren. Daraus entstand das „Fenster zum Harz“, das den Blick auf die Sehenswürdigkeiten der Stadt lenkt. In einem verbindenden Stadtrundgang führen die auffälligen Sitzgelegenheiten die Besucher durch Seesen und informieren über die „eingerahmte Aussicht“. Im Design- und Architekturwettbewerb des Niedersächsischen Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr wurde das Projekt sogar als innovativer Ansatz im Public Design ausgezeichnet.

in drittes wichtiges Standbein ist schließlich das Standortmarketing. Dabei wird insbesondere das Ziel verfolgt, Seesen als attraktiven Wirtschaftsstandort zu etablieren. Hier pflegt die Genossenschaft eine enge Zusammenarbeit sowohl mit Partnern aus der Wirtschaft als auch städtischen Vertretern. „Die Kooperation mit öffentlichen Stellen ist hier sehr wichtig, da einige Probleme – wie zum Beispiel die Verbesserung der Infrastruktur – nur durch die Stadt gelöst werden können“, betont Scheerer. In Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsförderung Region Goslar GmbH & Co. KG werden zum Beispiel Seminare zur Existenzgründung angeboten. Und mit der zentralen Gewerbedatenbank bietet die Stadtmarketing Seesen eG lokalen und regionalen Unternehmen schließlich eine optimale Plattform, um sich auch online gut sichtbar zu präsentieren.

Die Stadtmarketing Seesen eG ist so erfolgreich, dass es von anderen Städten bereits Anfragen gab und die Genossenschaft auf mehreren Informationsveranstaltungen vorgestellt wurde. Thorsten Scheerer und Hartwig Schlange sind überzeugt: „Unser Modell funktioniert für eine Stadt unserer Größenordnung mit etwa 20.000 Einwohnern sehr gut. Man kann sehr viel damit erreichen.“