Wir sind „Ein Gewinn für Deutschland“

Die mehr als 7.500 Genossenschaften und genossenschaftlichen Unternehmen in Deutschland sind ein wichtiger Bestandteil der mittelständischen Wirtschaft. Sie wirtschaften mit langfristiger Perspektive, fördern ihre Mitglieder und sind in der Region verankert. Stabilität und Verantwortung zeichnen Genossenschaften aus.

Aus all diesen Gründen ist jede einzelne Genossenschaft „Ein Gewinn für Deutschland“. An dieser Stelle haben die Genossenschaften die Gelegenheit, der Öffentlichkeit zu präsentieren, was sie auszeichnet und sie zu einem ganz besonderen „Gewinn für Deutschland“ macht. 

StattAuto eG, Lübeck

Ob Bohrmaschine, Handtasche oder Arbeitsplatz – Teilen ist das neue Besitzen. Der gemeinschaftliche Konsum über Plattformen wie AirBnb oder Kleiderkreisel ist längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Und auch vor „des Deutschen liebstem Kind“, dem Pkw, macht der Trend zur Sharing economy nicht halt. Immer mehr Menschen verzichten auf ein eigenes Auto und teilen sich mit anderen ein Fahrzeug. Anfang 2017 nutzten in Deutschland bereits 1,7 Millionen Menschen über 17.000 Carsharing-Autos in rund 600 Städten – Tendenz stark steigend.

Unter den zahlreichen Carsharing-Anbietern in Deutschland sind bislang noch wenige Genossenschaften zu finden. Der älteste und größte genossenschaftliche Anbieter ist die StattAuto eG in Lübeck und Kiel. Bereits lange vor dem aktuellen Sharing-Boom haben die Initiatoren der Genossenschaft die vielen Vorteile von Gemeinschaftsfahrzeugen erkannt. „Die rund ein Dutzend Initiatoren waren 1991 in Deutschland echte Pioniere“, beschreibt Genossenschaftsvorstand Hinrich Kählert. „Sie waren dabei vor allem von zwei Zielen geleitet: Autos von der Straße holen und damit Klima und Umwelt schützen und gleichzeitig die Idee des Teilens voranbringen.“

Genossenschaftsidee passt zur sharing economy
Die Rechtsform der Genossenschaft lag dabei für die Gründer auf der Hand, passt sie doch aus verschiedenen Gründen perfekt zur Grundidee des Teilens. „Schon seit den Zeiten Friedrich Wilhelm Raiffeisens schließen sich Menschen in Genossenschaften zusammen, um benötigte Güter gemeinsam anzuschaffen und zu nutzen. Man kennt das zum Beispiel von Maschinenringen in der Landwirtschaft“, so Kählert. Zudem war und ist es den Verantwortlichen der StattAuto eG wichtig, dass Nutzerinteressen über Profitinteressen stehen und dass man Entscheidungen selbstbestimmt und unabhängig von einzelnen Investoren treffen kann. Überschüsse werden in der Genossenschaft nicht ausgeschüttet, sondern direkt in neue Fahrzeuge und Stationen investiert. Sie kommen auf diesem Wege allen Mitgliedern und Nutzern unmittelbar zugute. Damit wird das Netz an Fahrzeugen immer dichter und der Komfort der kurzen Wege zu den Stationen immer besser.   

Gestartet ist die Genossenschaft 1991 mit der Anschaffung eines gemeinsamen Pkws, den sich zunächst rund 20 Personen teilten. In den Folgejahren wuchs die StattAuto eG stetig. Rund zehn Jahre nach der Gründung war eine Größe erreicht, die nach ersten hauptamtlichen Mitarbeitern für die Organisation verlangte. Heute ist der Betrieb auf 17 Mitarbeiter, rund 600 Mitglieder und mehr als 3.600 Nutzer angewachsen. Diesen stehen derzeit 180 Autos an 74 Standorten in Lübeck, Kiel und Umgebung zur Verfügung. Wer Mitglied in der Genossenschaft werden möchte, zeichnet mindestens einen Anteil in Höhe von 500 Euro und erhält dafür gegenüber Nicht-Mitgliedern einen Rabatt in Höhe von 5 % (bzw. 10 % bei zwei oder mehr Anteilen) auf den Stundenpreis.

Studenten, Familien, Senioren – StattAuto-Nutzer sind in allen Bevölkerungsschichten zu finden.  Auch immer mehr Vereine, soziale Einrichtungen, Freiberufler oder kleine und mittelständische Unternehmen nutzen StattAuto-Fahrzeuge, statt einen eigenen Fuhrpark vorzuhalten. Bereits rund ein Drittel der StattAuto-Kunden sind keine natürlichen Personen. „Auch einige Wohnungsgenossenschaften sind Mitglied der StattAuto eG geworden, damit ihre Bewohner das Carsharing-Angebot zu vergünstigten Konditionen nutzen können“, berichtet Kählert.

Ein Gewinn für alle
Die Kunden schätzen am Carsharing vor allem die große Flexibilität, immer genau das Fahrzeug nutzen zu können, das sie gerade benötigen: ob Kleinbus für den Betriebsausflug, Kombi für den Familieneinkauf oder Kleinwagen für die Medikamentenauslieferung. Neben einer geringen monatlichen Grundgebühr zahlen die Nutzer nur für die Zeit und die Kilometer, die sie mit dem Fahrzeug unterwegs sind. Fixkosten wie Steuern und Versicherungen oder Kosten für Werkstätten und TÜV sind kein Thema mehr. Und auch über Fahrzeugreinigung, Reifenwechsel oder Parkplatzsuche müssen sich Carsharing-Nutzer keine Gedanken mehr machen. Zudem stehen den Nutzern nicht nur die Fahrzeuge der StattAuto eG in ihrer Heimatstadt zur Verfügung, sondern über einen Buchungsverbund auch die Flotten von zahlreichen Partnerorganisationen in über 500 Städten und Gemeinden in Deutschland und Europa.

Vom Carsharing profitieren aber nicht nur die Nutzer, sondern mittelbar alle Bürger und auch die Kommunen. Aktuelle Studien zeigen, dass durch ein Carsharing-Fahrzeug in dicht besiedelten Innenstädten bis zu 20 Privat-Pkw eingespart werden können – im Geschäftsgebiet der StattAuto eG sind es immerhin sechs bis acht. Carsharing wird daher von der städtischen Verkehrspolitik als wesentlicher Baustein zur Reduzierung des Motorisierten Individualverkehrs (MIV) angesehen und gefördert. Die durch die Abschaffung privater Pkw freiwerdenden Parkflächen können genutzt werden, um die Aufenthaltsqualität in der Kommune – beispielsweise durch die Begrünung des Straßenraums oder die Anlage von Fahrradwegen – zu verbessern. Darüber hinaus leistet Carsharing einen wesentlichen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz. Zum einen sind insgesamt weniger Autos auf den Straßen unterwegs, zum anderen sind Carsharing-Fahrzeuge besser ausgelastet und durchschnittlich kleiner und neuer – und damit emissionsärmer – als Privat-Pkw. Auch der Anteil an Elektro-Fahrzeugen ist unter Carsharing-Autos wesentlich höher.

All diese Argumente haben dazu geführt, dass der Gesetzgeber ein neues Carsharing-Gesetz erlassen hat, das zum 1. September 2017 in Kraft getreten ist. Unter anderem gewährt es Carsharing-Nutzern Privilegien beim Parken und ermöglicht es Anbietern, Stellplätze in den „öffentlichen Verkehrsraum“ zu verlegen.

Zusammenarbeit mit den Kommunen
Die Kommunen Kiel und Lübeck haben bereits lange vor dem Erlass dieses Gesetzes erkannt, wie viele Vorteile Carsharing für Umwelt und Gesellschaft mit sich bringt und kooperieren daher schon seit vielen Jahren mit der StattAuto eG. Fast alle Ämter und einige Kirchengemeinden nutzen die Fahrzeuge der Genossenschaft für ihre Dienstfahrten. So konnten die eigenen kommunalen Fuhrparks deutlich reduziert werden. Auch bei der Suche nach geeigneten Stellplätzen und bei der Koordination mit dem ÖPNV arbeitet man mit der Genossenschaft zusammen. „Wichtig ist es, dass die Verantwortlichen in der Kommunalverwaltung hinter der Idee des Carsharing stehen“, betont Kählert. „Auch wenn hin und wieder Bürger zunächst mit Widerstand reagieren, da sie der Ansicht sind, Carsharing würde ihnen Parkplätze wegnehmen. Aber das ist natürlich Unsinn, denn insgesamt werden durch die Abschaffung der Privatautos ja Parkräume frei und davon profitieren dann alle. Dafür muss man ein Bewusstsein schaffen“, so Kählert weiter.

In ihrem Geschäftsgebiet in Norddeutschland hat die StattAuto eG in den letzten 25 Jahren schon sehr viel erreicht. Und die Genossenschaft will weiter wachsen. „Ich sehe in Kiel und Lübeck noch Potential für mindestens die doppelte Menge an Carsharing-Fahrzeugen“, so Kählert. Und auch im Bereich Elektromobilität gibt es noch viel zu tun. Derzeit hat etwa jedes zehnte Fahrzeug der StattAuto-Flotte einen Elektro- oder Hybridantrieb. Insbesondere im Bereich der Kleinwagen sollen das in den nächsten Jahren noch deutlich mehr werden. „Dafür muss aber die Ladeinfrastruktur weiter ausgebaut werden und die Akzeptanz für Elektrofahrzeuge in der Bevölkerung muss steigen. Das können wir nicht alles allein schaffen“, betont der Genossenschaftsvorstand.

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