„Ein Gewinn für die Welt“

Das deutsche Genossenschaftsmodell ist Vorbild für viele Länder auf der ganzen Welt. Schon vor über 100 Jahren hat beispielsweise das damals aufstrebende Japan die Genossenschaftsidee und das Genossenschaftsgesetz aus Deutschland erfolgreich adaptiert. Viele andere Länder sind diesem Beispiel gefolgt und haben an die eigenen Verhältnisse angepasste Rechtsgrundlagen geschaffen. Bis heute fördert unsere Organisation weltweit genossenschaftliche Selbsthilfeprojekte. Im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit der Bundesregierung fördert die genossenschaftliche Gruppe mit ihren Entwicklungsprojekten den Aufbau von Genossenschaften und genossenschaftlichen Strukturen und unterstützt damit zum Beispiel in Lateinamerika, Südafrika oder Asien die globale Bekämpfung der Armut und die Sicherung des Friedens. Ausgewählte Projekte werden hier vorgestellt. Weitere Projekte finden Sie in der Broschüre "Kooperation als Chance".

Südafrika - Die Näherinnen von Nokaneng

Rosina Dikobe erinnert sich ungern an die Zeit vor acht Jahren. Sie hatte keine Arbeit und kein Geld für Essen und die Schulausbildung ihrer Kinder. Aber Rosina hat sich dem Schicksal nicht ergeben. Mit anderen Frauen gründete sie eine Genossenschaft.

Die Frauen aus Nokaneng, einem kleinen Dorf rund 100 km von Johannesburg entfernt, machten das zum Haupterwerb, was sie seit Jahren für ihre Familien taten – Kleidung nähen. Ihre „Retlamegila Sewing Primary Co-operative Limited“ gibt es seit 2003. „Am Anfang hatten wir viele Probleme – keine von uns wusste, wie eine Genossenschaft funktioniert und wie man ein Unternehmen führt“, erinnert sich Rosina. „Am Ende eines Monats war meistens weniger in der Kasse als am Anfang.“Diese Probleme haben viele Genossenschaften, die nach dem Ende der Apartheid gegründet wurden. Viele haben sich wieder aufgelöst. Nicht jedoch die Retlamegila Co-operative: Die sieben resoluten Frauen eigneten sich das nötige Wissen in den Schulungen des DGRV an – von Grundlagen der Buchhaltung, der Kalkulation und des Managements bis zu möglichen Absatzmärkten. „Heute nähen wir die Schuluniformen für viele Schulen und nehmen Privataufträge an. Damit können wir unseren Lebensunterhalt bestreiten“, sagt Rosina mit sichtlichem Stolz. „Angst, dass ich meine Kinder nicht mehr zur Schule schicken kann, habe ich keine mehr.“Mit solchen Projekten trägt die deutsche Genossenschaftsorganisation dazu bei, die wirtschaftliche Situation der schwarzen Bevölkerung in Südafrika zu verbessern, die zu großen Teilen auch mehr als fünfzehn Jahre nach dem Ende der Apartheid noch in Armut lebt. Die Bemühungen der Regierung und die wirtschaftlichen Erfolge haben noch nicht zu einer gerechteren Verteilung der Einkommen geführt. Das Wirtschafts-, das Landwirtschafts- und das Finanzministerium werden bei der Verbesserung des gesetzlichen Rahmens für Genossenschaften beraten; unter anderem bei der Neufassung des Genossenschafts- und des Genossenschaftsbankgesetzes, bei der Verbesserung des Registrierungsverfahrens von Genossenschaften und bei der Einführung einer genossenschaftlichen Prüfung. Daneben werden Bäckereien gefördert, vorwiegend Familienbetriebe und genossenschaftlich organisierte Gruppen.