Wir sind „Ein Gewinn für Deutschland“

Die mehr als 7.500 Genossenschaften und genossenschaftlichen Unternehmen in Deutschland sind ein wichtiger Bestandteil der mittelständischen Wirtschaft. Sie wirtschaften mit langfristiger Perspektive, fördern ihre Mitglieder und sind in der Region verankert. Stabilität und Verantwortung zeichnen Genossenschaften aus.

Aus all diesen Gründen ist jede einzelne Genossenschaft „Ein Gewinn für Deutschland“. An dieser Stelle haben die Genossenschaften die Gelegenheit, der Öffentlichkeit zu präsentieren, was sie auszeichnet und sie zu einem ganz besonderen „Gewinn für Deutschland“ macht. 

TowerByte eG, Jena

Als die „Dotcom-Blase“ Anfang des neuen Jahrtausends platzte, machten ehemalige Mitarbeiter eines Thüringer Softwareunternehmens aus der Not eine Tugend und gründeten eine Genossenschaft. Eine Erfolgsgeschichte.

„Wir waren damals einige kleine, neu gegründete Unternehmen und die Branche steckte in der Krise“, beschreibt Reinhard Hoffmann, Initiator und Vorstandsvorsitzender der TowerByte eG die Ausgangssituation. „Da wurde uns schnell klar, dass wir zusammen einfach größere Chancen hätten.“ So entstand die in Jena ansässige Genossenschaft selbstständiger Unternehmen aus den Bereichen Software und E-Commerce.

Die TowerByte wurde im Jahr 2003 von damals sieben Unternehmen mit insgesamt 16 Mitarbeitern gegründet. Die Gründer waren Mitarbeiter des einstigen Vorzeigeunternehmens der New-Economy-Branche, der Intershop Communications AG. Nachdem Intershop massiv Stellen abbauen musste und eine Auffanggesellschaft gegründet worden war, kam Hoffmann, ehemals Personalmanager bei Intershop, mit einigen Gleichgesinnten auf die Idee, mit der Genossenschaftsgründung die berufliche Zukunft in die eigenen Hände zu nehmen.


Die Gründer der TowerByte prüften zunächst verschiedene Rechtsformen für ihr Vorhaben. „Wir haben nach einer Möglichkeit gesucht, unsere rechtliche und wirtschaftliche Selbständigkeit zu erhalten und uns trotzdem nicht als Einzelkämpfer durchschlagen zu müssen“, erinnert sich Hoffmann. Schnell wurde klar, dass sich dafür die Rechtsform der eingetragenen Genossenschaft besonders gut eignet. Überzeugt haben die Gründer darüber hinaus vor allem die großen Freiheitsgrade und die demokratische Gleichberechtigung, die die Genossenschaft bietet.

Jedes Mitglied hat eine Stimme und darf in der Generalversammlung über gemeinsame Weichenstellungen mitentscheiden. Firmeninterne Vorgänge in den einzelnen Mitgliedsunternehmen sind davon jedoch nicht betroffen, sodass jedem Unternehmen die Möglichkeit zur freien Entfaltung und zum selbstbestimmten Arbeiten bleibt.

Alle unter einem Dach
Heute vereint TowerByte 28 Mitgliedsunternehmen – GmbHs, Freiberufler und Einzelunternehmer – mit insgesamt rund 300 Mitarbeitern, darunter rund 200 Software-Entwickler. Die Mitglieder haben ganz unterschiedliche Spezialisierungen: Von der Entwicklung von Onlineshop-Software über Versandhandelslösungen, mobile Anwendungen und Online-Marketing bis hin zum Webdesign. Sie alle sind im ehemaligen „Intershop-Tower“ ansässig, einem Büro-Turm im Herzen von Jena, der sich heute „JenTower“ nennt.

Die räumliche Nähe der Genossenschaftsmitglieder im „JenTower“ hat viele Vorteile: Ressourcen und Infrastruktur wie Räume, Verwaltung und IT werden gemeinsam genutzt und verwaltet. Kurze Wege erleichtern zudem die Kommunikation und die Zusammenarbeit, schaffen Synergieeffekte und ermöglichen einen permanenten fachlichen Austausch sowie ein kreatives Arbeitsklima. „Fast alle Mitarbeiter kennen sich aus gemeinsamen Projekten persönlich. Und das ist gut für die Zusammenarbeit. Vieles lässt sich ganz einfach durch einen Zuruf auf dem Gang klären, wenn man sich kennt, vertraut und weiß, dass das Gegenüber verlässlich ist“, so Hoffmann.

Aus diesem Grund ist es dem Vorstand auch ein großes Anliegen, die Mitarbeiter so oft wie möglich zusammen zu bringen – bei der gemeinsamen Weihnachtsfeier, beim jährlichen Strategie-Meeting, den regelmäßigen Weiterbildungen oder dem „TowerByte-Stammtisch“.

Ein weiterer Vorteil der Genossenschaft: Die Mitgliedsunternehmen gelangen an Großaufträge, die sie allein nicht bearbeiten könnten. Die projektbezogene Zusammenarbeit von Spezialisten aus unterschiedlichen Gebieten macht es möglich, auch umfangreiche Projekte zu stemmen und schafft dadurch Wettbewerbsvorteile gegenüber Einzelkämpfern.

„Mit der Genossenschaft verschaffen wir uns Gehör bei Kunden, Kreditgebern und Lieferanten“, betont Hoffmann. „Die Mitglieder kommunizieren ihre Zugehörigkeit zur TowerByte daher auch in ihrem Außenauftritt. Denn es ist gerade für kleine Unternehmen ein gutes Vertriebsargument, wenn man 300 Kollegen im Rücken hat, mit denen kurzfristig ein schlagkräftiges Team an Spezialisten gestellt werden kann“, so der Genossenschaftsvorstand.

Die Spezialisierung der Mitglieder ermöglicht es der Genossenschaft, stets ein „Ohr am Puls der Zeit“ zu haben und keinen wichtigen Trend im schnelllebigen Online-Markt zu verpassen. Jedes Mitglied hat das aktuelle Geschehen in seinem eigenen, überschaubaren Teilbereich im Blick. Das schafft Vorteile gegenüber oft langsameren und unflexibleren Großunternehmen. Die Genossenschaft lebt dabei auch von der Heterogenität ihrer Mitglieder. „Die Mischung aus etablierten und  jungen Unternehmen ist ein großer Vorteil“, so Hoffmann. „Die Etablierten profitieren von der Innovativität und Flexibilität der Neuen und die Neuen profitieren von der Erfahrung und den Kontakten der Etablierten.“

Ein Gewinn für die Region
Den Vorständen der Genossenschaft liegt die Förderung der Stadt und der Region sehr am Herzen. Sie verstehen sich daher auch als eine Art Existenzgründerzentrum in der Universitätsstadt Jena. Die Genossenschaft unterstützt junge Unternehmen und Neugründungen zum Beispiel durch den kostengünstigen Zugang zu Räumen und Infrastruktur, durch Know-how und Kontakte.

Zur Finanzierung von Neugründungen haben die Gründungsmitglieder der TowerByte sogar eine weitere Genossenschaft gegründet: Die TowerVenture versorgt junge technologieorientierte Unternehmen in der Gründungsphase mit Startkapital. Dies schafft qualitativ hochwertige und sichere Arbeitsplätze in der Region und trägt zudem dazu bei, den guten Ruf Jenas als wichtiger Standort im Bereich E-Commerce zu erhalten.

Die zahlreichen innovativen Unternehmen in diesem Bereich haben der Stadt an der Saale bereits den Spitznamen „Saalicon Valley“ eingebracht. Dazu haben auch die Aktivitäten der TowerByte beigetragen, die sich zu einem echten Vorzeigeprojekt für die Branche entwickelt hat.

Die Genossenschaft wächst so schnell, dass im Tower inzwischen kein Platz mehr für neue Mitglieder ist. In naher Zukunft soll daher gemeinsam eine neue, größere „Heimat“ für die Genossenschaft gebaut werden. Und mit der Schwestergenossenschaft TowerByte Leipzig hat sich auch außerhalb des Jenaer „Genossenschafts-Turms“ bereits der erste Ableger der E-Commerce-eG entwickelt.

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