Wir sind „Ein Gewinn für Deutschland“

Die mehr als 7.500 Genossenschaften und genossenschaftlichen Unternehmen in Deutschland sind ein wichtiger Bestandteil der mittelständischen Wirtschaft. Sie wirtschaften mit langfristiger Perspektive, fördern ihre Mitglieder und sind in der Region verankert. Stabilität und Verantwortung zeichnen Genossenschaften aus.

Aus all diesen Gründen ist jede einzelne Genossenschaft „Ein Gewinn für Deutschland“. An dieser Stelle haben die Genossenschaften die Gelegenheit, der Öffentlichkeit zu präsentieren, was sie auszeichnet und sie zu einem ganz besonderen „Gewinn für Deutschland“ macht. 

Wassergenossenschaft Ellerhoop eG

In dem holsteinischen Dorf Ellerhoop betreiben die Einwohner ihr eigenes Wasserwerk. Gute Qualität, niedrige Preise und wirtschaftliche Unabhängigkeit sind das Ergebnis gemeinschaftlichen Engagements.

„Wir haben gutes Wasser und wir wollen unabhängig sein“, sagt Ludwig Wieprecht, Mitinitiator und Aufsichtsratsmitglied der Wassergenossenschaft Ellerhoop. Im 1.300-Seelen-Dorf wurde bereits vor über zehn Jahren die Wasserversorgung von den Bürgern in die Hand genommen. Mit Erfolg: seither hat sich die Zahl der Kunden verdoppelt.

Anfang der 1990er Jahre sah das ganz anders aus. Die Gemeinde plante, alle Haushalte ans kommunale Netz anzuschließen und von einem benachbarten Wasserversorger beliefern zu lassen. Aufgrund der knappen kommunalen Kassen war an einer Sanierung des eigenen maroden Wasserwerks im Dorfzentrum nicht zu denken. Gegen die Zentralisierung sprachen sich viele Eigenheimbesitzer aus, die zumeist eigene Brunnen haben.

Das Problem: Für die Sanierung brauchte man einen Investor, was de facto zum Verkauf des Wasserwerks und des Verteilnetzes an ein großes Versorgungsunternehmen geführt hätte. Das passte den Einwohnern gar nicht: „Wir rechneten mit unkalkulierbar steigenden Wasserpreisen. Und wenn man erst einmal an einem externen Versorger hängt, dann kommt man da nicht wieder weg“, so Wieprecht. Auch das Ellerhooper Wasser wäre nicht weiter gefördert worden.

Es folgte ein Bürgerentscheid, in dem sich zwei Drittel der Einwohner gegen den Anschlusszwang entschieden. Drei Jahre später versuchte man es erneut – mit gleichem Ergebnis. Zwischenzeitlich hatte sich eine Gruppe engagierter Bürger in der Initiative „Aktiver Umweltschutz Ellerhoop“ zusammengefunden, um auch bei der Wasserfrage mitzureden. Man wollte nicht einfach nur gegen Zentralisierung und Fremdbestimmung sein, sondern einen konstruktiven Vorschlag entwickeln. Der Plan: Die Privatisierung des Wasserwerks durch eine Genossenschaft.

Ehrenamtliches Engagement
Nach längeren Verhandlungen willigte die Gemeinde schließlich ein. Im Jahr 2003 wurden Wasserwerk samt Leitungsnetz für 65.000 Euro erworben. Es folgten die Sanierung von Brunnen und Leitung, was mit etwa 120.000 Euro zu Buche schlug. Ein wenig stolz ist man darauf, dass bislang kein Kredit in Anspruch genommen wurde. Zum einen erwirtschaftete man mit dem Kundenstamm des Wasserwerks von Anfang an auch Einnahmen, zum anderen sind die Geschäftsguthaben der Mitglieder eine solide Finanzierungsbasis.

Vor größeren Herausforderungen stand man hingegen bei technischen Fragen, rechtlichen Vorgaben und der Betriebsführung insgesamt. Die Ehrenamtlichen mussten sich in acht verschiedene Gesetzesbereiche einarbeiten. Ständig kamen neue Detailfragen hinzu. Beispiel: Wer ist nach der Privatisierung eigentlich für die Hydranten zuständig? Kommune oder Genossenschaft? „Wir waren mitunter etwas blauäugig, aber man findet im Ort immer jemanden, der etwas kann. Und jeder von uns musste in seinem Themenbereich regelmäßig seine Hausaufgaben erledigen“, so Wieprecht.

Sein Verantwortungsbereich ist neben der Technik auch die Wasserqualität. Als gelernter Chemiker kontrolliert er regelmäßig die Inhaltsstoffe. Eisen und Mangan müssen aus dem Wasser entfernt werden, ansonsten ist die Qualität hervorragend. Die Ergebnisse der vierteljährlichen Untersuchung können jederzeit auf der Internetseite eingesehen werden.

Transparenz ist den Machern besonders wichtig. Als es im Herbst 2003 mit den Modernisierungsarbeiten losgehen sollte, konnte der Termin zur Fertigstellung nicht gehalten werden. Die Kunden mussten länger als vorgesehen die marode Technik des alten Wasserwerks erdulden. Und für eine begrenzte Zeit wurde auch einmal der Wasserpreis erhöht. Alle Beteiligten wurden immer rechtzeitig informiert.

Transparenz und Offenheit sind auch der Grund, weshalb die Genossenschaft als Betreiberform gewählt wurde: „Sie ist eine transparente und demokratische Rechtsform und kann nicht von anderen Unternehmen aufgekauft werden. Die Geschäftspolitik wird nicht vom Kapital bestimmt“, bringt es Wieprecht auf den Punkt. Zudem trage die regelmäßige Prüfung zur Sicherheit und Seriosität des Unternehmens bei.

Während in der Nachbarstadt für den Kubikmeter Wasser ein Preis von 1,70 Euro verlangt wird, zahlen die Ellerhooper Bürger nur 70 Cent. Jährlich müssen 65 Euro an Grundgebühr entrichtet werden. Die geringen Betriebskosten resultieren vor allem aus der ehrenamtlichen Tätigkeit der Verantwortlichen. Günstige natürliche Bedingungen im Boden führen zu einfachem Zugang und geringen Aufbereitungskosten. Schließlich ist das gesamt Unternehmenskonzept nicht auf Profit ausgerichtet.

Die Ellerhooper Bürger haben heute eine moderne und kostengünstige Wasserversorgung, dank Ehrenamt und Gemeinschaftssinn. Über die Jahre haben sich immer mehr Hausbesitzer für die gemeinsame Wasserversorgung entschieden. Im Jahr 2008 wurde gleich ein ganzes Neubaugebiet erfasst. Mittlerweile sind 190 Haushalte angeschlossen, das Leitungsnetz wurde ebenfalls verdoppelt. Der Erfolg der kleinen Wassergenossenschaft zeigt sich auch darin, dass man bald eine neue wasserrechtliche Erlaubnis benötigt. Das von der Wasserbehörde genehmigte Volumen wird bald erreicht.

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